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10. Juli 2018

Das passende Display für Nachtarbeiter

Ein schweizerisch-britisches Forscherteam hat einen Weg gefunden, das Licht von Bildschirmen so zu verändern, dass es mehr oder weniger schläftig macht. Profitieren könnten davon unter anderem Menschen, die nachts am Computer arbeiten müssen.

Fernsehen, Computer und Smartphones – Bildschirme sind allgegenwärtig. Das Licht, das die Displays ausstrahlen, hat eine Wirkung auf das Wohlbefinden des Nutzers. Ein Forscherteam der Universitäten Basel und Manchester hat nun eine Technologie entwickelt, die das Schlafbedürfnis der Nutzer direkt beeinflusst, wie Prof. Christian Cajochen vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sagt: "Unsere Methode erlaubt, das Farbspektrum des Lichts so zu verändern, dass es entweder eher schläfrig oder eher wach macht, ohne den visuellen Eindruck des Lichts zu verändern. D.h. da Licht wird nicht als blauer (wachmachend) oder als oranger (schläfrig machend) empfunden, sondern bleibt 'visuell' praktisch unverändert." Über das neue Verfahren berichten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin 'Sleep'.

Studie mit elf Teilnehmern

Die Forscher bezeichnen ihre Neuentwicklung als «melanopisches Display». Das Display ist so konstruiert, dass man die Stärke des blaugrünen Lichts (Cyan) regulieren kann. Die Farbe Cyan ergänzt die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau, die in herkömmlichen Displays zum Einsatz kommen und aus denen sich jeder beliebige Farbton mischen lässt. Die zusätzlich verwendete Farbe Cyan wird im menschlichen Auge von den sogenannten Melanopsin-Zellen wahrgenommen. Diese Zellen, die noch relativ wenig erforscht sind, enthalten das Pigment Melanopsin und spielen eine wichtige Rolle für die 'innere Uhr'. Wie die Forscher aus Basel und Manchester bei einer Untersuchung mit elf Teilnehmer zeigen konnten, fühlen sich diese wacher, wenn ihr Auge mehr Cyanlicht aufnimmt – und müder, wenn dieses Licht schwächer strahlt.

Hilfe bei Nachtarbeit

Damit haben die Wissenschaftler gezeigt: Obwohl der Betrachter des Bildschirmes keinen Farbwechsel wahrnimmt, für ihn der visuelle Eindruck also konstant bleibt, kann durch die Änderung des Cyanlichts eine nicht-visuelle Lichtwirkung erzielt werden, die sich auf den Spiegel des Hormons Melatonin auswirkt und die subjektive Schläfrigkeit beeinflusst. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts könnten in Zukunft für die Herstellung spezieller Bildschirme verwendet werden, wie Christian Cajochen sagt: „Unsere Arbeit könnte zu einer neuen Generation von Displays führen, welche die Circadian-Rhythmik und die Schläfrigkeit des Benutzers beeinflussen. Ich denke, dass es vor allem für Nachtarbeitende vor Computerdisplays von Nutzen sein wird.“

Wissenschaftler konstruieren einen Bildschirm, der unterschiedlich stark müde macht. http://bit.ly/2ujGYdj #iph
Display_Farbe
Kontrolliertes Blaugrün: Links ein herkömmliches Display mit den Grundfarben Rot, Grün und Blau. Rechts ein neu entwickeltes Display mit der vierten Farbe Cyan.
 

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