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17. Juli 2018

Künstliches Pankreas hat Potenzial

Eine künstliche Bauchspeicherdrüse (künstliches Pankreas) könnte bei einem Spitalaufenthalt von Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes künftig wertvolle Dienste leisten. Das hat ein Forscherteam aus Bern und Cambridge dargelegt.

Um den Blutzucker bei Diabetes mellitus zu regulieren, spielt die Gabe von Insulin eine zentrale Rolle. Bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten wird das Hormon entweder mittels sogenannter Insulinpens unter die Haut gespritzt, zunehmend kommen aber auch Insulinpumpen zum Einsatz, welche rasch wirksame Insuline kontinuierlich bzw. variabel abgeben können. Solche Insulinpumpen sind ein Bestandteil von 'künstlichen Bauchspeicheldrüsen', die gegenwärtig zur Versorgung von Spitalpatienten mit Diabetes in Studien getestet werden. Für eine künstliche Bauchspeicheldrüse kombiniert man die Insulinpumpe mit modernen Glukosesensoren, die subkutan mittels feinem Nadelsensor permanent Gewebeglukose messen (in engem Austausch mit der Blutglukose). Aus den Glukose-Messwerten bestimmt dann ein adaptiver Algorithmus, wie viel Insulin die Insulinpumpe abgibt.

Zuckereinstellung deutlich verbessert

Ein Forscherteam der Universitäten Bern und Cambridge (Grossbritannien) hat die künstliche Bauchspeicheldrüse nun bei 136 Patientinnen und Patienten getestet, die an Typ-2-Diabetes leiden und die sich einem Spitalaufenthalt unterziehen mussten. Bei dem einen Teil der Testpersonen wurde der Glukosespiegel in herkömmlicher Weise manuell gemessen und das Insulin anschliessend mit einer Injektion verabreicht, bei dem anderen Teil kam die künstliche Bauchspeicheldrüse zum Einsatz. Dabei erwies sich das künstliche Pankreas als wirksam, praktikabel und sicher einsetzbar, wie die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im 'New England Journal od Medicine' berichten. Die Blutzuckereintellung habe auf diesem Weg deutlich verbessert werden können, und dies bei hoher Zufriedenheit der in den Test einbezogenen Personen.

Heilungsverläufe beschleunigen

„Die vorliegende Studie war die erste, welche ein künstliches Pankreas im Spitalumfeld bei Patienten mit Typ-2-Diabetes genutzt hat. Sie hat gezeigt, dass durch den Einsatz dieses Systems bekannte Herausforderungen im Spitalalltag von Diabetikern (Blutzuckerschwankungen, Unterzuckerungen, Anpassungen der Insulinmenge an die Mahlzeiten, knappe Zeitressourcen des Personals etc.) relevant besser gemeistert werden können als mit herkömmlichen Massnahmen“, sagt Prof. Dr. Christoph Stettler, Direktor der Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus des Berner Inselspitals, der die Studie von Schweizer Seite geleitet hat. Der Berner Diabetes-Spezialist ergänzt: „Unsere Studie, die ganz unterschiedliche Patienten mit teilweise auch schweren Erkrankungen umfasste, ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Betreuung von Diabetespatienten im Spital. 20% aller Spitalpatienten leiden an Diabetes. Wenn wir deren Blutzuckereinstellung verbessern, beschleunigen wir die Heilungsverläufe, reduzieren Komplikationen und steigern die Lebensqualität der Patienten.“

Die Insulinversorgung von Spitalpatienten lässt sich durch eine künstliche #Bauchspeicheldrüse deutlich verbessern, sagt ein schweizerisch-britisches Forscherteam. #Diabetes http://bit.ly/2O5mGMS #iph
künstliche Bauchspeicheldrüse
Schematische Zeichnung der Bestandteile der künstlichen Bauchspeicheldrüse.
 

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