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31. Juli 2018

Schaltstelle des Alterns

Unsterblich werden die Menschen wohl nie werden, aber den Prozess des Alterns zu verlangsamen, ist für die Wissenschaft heute eine ernsthafte Perspektive. Hinweise dazu geben Ergebnisse eines Forschungsprojekts am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Warum altert der menschliche Körper? Eine bereits in den 1950er Jahren von US-amerikanischen Gerontologen entwickelte Theorie sieht die Erhaltung der Lebensfunktionen und das Altern als zwei Seiten desselben biochemischen Prozesses: Der Organismus produziert die für die Lebensvorgänge nötige Energie durch den Abbau von Zucker; die dabei entstehenden Nebenprodukte ('reaktive Sauerstoffspezies') beschädigen allerdings im Laufe der Zeit mehr und mehr Erbgut und andere Bestandteile von Zellen und lassen diese absterben, was den Alterungsprozess vorantreibt. „Nach dieser Alterstheorie ist das Altern sozusagen der Preis, den wir bezahlen müssen um zu leben“, sagt PD Dr. Karsten Gülow, der bis vor kurzem am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg arbeitete und heute als Forschungsleiter in der Universitätsklinik Regensburg (Innere Medizin I) tätig ist.

Protein TXNIP

Karsten Gülow hat zusammen mit Peter Krammer und weiteren Forscherinnen und Forschern nun ein Protein namens TXNIP entdeckt, das am oben beschriebenen Prozess mitwirkt und in Zellen von Menschen und Tieren den Alterungsprozess massgeblich beeinflusst. Konkret sorgt TXNIP offenbar im fortgeschrittenen Lebensalter dafür, dass die Menge an reaktiven Sauerstoffspezies stark zunimmt und so der Alterungsprozess vorangetrieben wird. Die Wissenschaftler fanden dies bestätigt, indem sie das Blut von 55-jährigen Probanden mit jenem von 20- bis 25-jährigen Personen verglichen. Dabei zeigte sich, dass die älteren Personen in ihren Zellen deutlich mehr TXNIP bilden, was dem Alterungsprozess Vorschub leistet. Die Wissenschaftler sind überzeugt, mit dem Protein einen zentralen Regulator für das Altern gefunden zu haben, denn wird es herunterreguliert, verlangsamt sich der Alterungsprozess. Wird hingegen zusätzliches TXNIP produziert, beschleunigt sich dieser Prozess.

Alterskrankheiten behandeln

Die jüngsten Forschungsergebnisse schaffen möglicherweise die verlockende Möglichkeit, den Alterungsprozess zu verlangsamen. Bis dahin ist allerdings noch viel Forschung nötig, wie Karsten Gülow betont: „Eine Verjüngung des Menschen ist auf der Grundlage unserer Daten nicht möglich, allerdings erscheint es zumindest denkbar, den Alterungsprozess dereinst zu verlangsamen. Bis zu diesem Ziel ist allerdings noch ein weiter Weg.“ Nach Auskunft des in Regensburg tätigen Wissenschaftlers könnten die jüngsten Forschungsergebnisse medizinischen Fortschritt aber auch in anderen Feldern ermöglichen: „Unsere Arbeit bildet die Basis, um mögliche neue Therapieoptionen für altersbedingte Erkrankungen wie Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Demenz oder Krebs zu erarbeiten“, sagt Dr. Gülow, „doch auch hier stehen wir noch ganz am Anfang.“

Ein deutsches Forscherteam hat ein Protein eindeckt, das bei der #Zellalterung eine zentrale Rolle spielt. #Alterungsprozess http://bit.ly/2n2TOcr #iph
Frau u. Mann im Gespräch
 

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