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14. August 2018

Mehr Lebensqualität mit CGM-Sensor

Vor ein paar Wochen musste ich mir von meinem neuen Diabetesarzt anhören, dass CGM-Systeme mit ihren Alarmen Menschen mit Diabetes dazu verleiten, bequem zu werden. Stimmt das denn auch? Was sind die Vor- und Nachteile eines CGM-Sensors?

Mein CGM-Sensor misst meinen Blutzucker mit einer Verzögerung von ca. 20 Minuten. Ich kann jederzeit eine Tendenz ablesen und sehe, in welche Richtung der Wert läuft. Mit den Alarmen, die ich eingestellt habe, warnt mich der CGM-Sensor zusätzlich, falls mit dem Wert etwas nicht in Ordnung ist, d.h. er meldet, wenn ich in eine Unterzuckerung abrutsche, oder aber auch, wenn der Wert zu hoch ist. 

Alarme richtig einsetzen

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass CGM-Sensoren nur einen Vorteil bringen, wenn man auch die Alarme dazu richtig einsetzt. Ein grosser Nutzen ergibt sich erst, wenn nicht zu viele Alarme, wie z.B. Alarme über steigende und fallende Tendenzen oder ein zu enger Zielbereich, eingestellt sind. Jeder Sensoralarm zu viel, kann unnötigen Stress in die Diabetestherapie bringen.

Hier einige Beispiele, wie ich das aktuell bei mir handhabe:

  • Bei meiner Pumpe habe ich eine automatische Hypovorabschaltung, d.h. die Pumpe stellt stillschweigend die Basalrate bei einem anbahnenden Hypo ab, resp. auch wieder von selber an, sobald der Blutzuckerspiegel sich wieder stabilisiert hat. In den meisten Fällen umgehe ich so einen Eingriff durch mich in meine Diabetestherapie mit Traubenzucker.
  • Weil mir Schlaf in der Nacht wichtiger ist als ein tiefer Blutzuckerspiegel, habe ich den Zielbereich zwischen Mitternacht und 06:00 Uhr in der Früh höher eingestellt als tagsüber. So kommen die Alarme nachts eher bei höheren Werten und lassen mich somit auch besser schlafen.
  • Alarme zu steigenden oder fallenden Tendenzen habe ich nicht aktiviert. Mir ist ja bewusst, dass nach den Mahlzeiten der Blutzucker ansteigt. Dafür benötige ich nicht noch einen Alarm.

Nach sechs Jahren mit einem CGM-Sensor sehe ich den Vorteil vor allem darin, dass ich mich beim Abwägen oder Abschätzen von Nahrungsmitteln und der daraus hervorgehenden Berechnung der Insulinmenge auch mal verhauen darf, ohne mit schlimmen Folgen rechnen zu müssen. Die Sensoralarme machen mich rechtzeitig darauf aufmerksam, wenn etwas nicht stimmt und ich kann frühzeitig korrigieren. Dies ist nun wohl die vom Diabetesarzt kritisierte Bequemlichkeit. Ich sehe jedoch vielmehr den oben erwähnten Sicherheitsaspekt vor zu hohen oder zu tiefen Werten als Vorteil und nicht die Bequemlichkeit. Schliesslich ist man gedanklich nicht immer gleich auf den Diabetes konzentriert, wie z.B. beim Autofahren oder Arbeiten.

Mehr Lebensqualität

Mit einem CGM-Sensor kann ich gleichzeitig auch weniger Blutzuckermessungen an den Fingerbeeren verzeichnen. So habe ich nur noch drei bis vier Blutzuckermessungen täglich und korrigiere zu hohen Blutzuckerwerte anhand des CGM-Sensorwertes. (Achtung, nicht jedes System ist zur Diabetestherapie zugelassen. Einige sind nur zur Blutzuckeraufzeichnung zugelassen.) Die mich nach über zehn Jahren Diabetes immer noch störenden und auch teilweise schmerzenden Blutzuckermessungen konnte ich seit dem Tragen eines CGM-Sensor reduzieren. Das ist in meinen Augen ein grosses Plus an Lebensqualität.

Ich wage hier noch einen Vergleich zu den FGM-Sensoren (FlashGlucoseMonitorig-Sensoren), welche ohne Alarme daherkommen. Mit einem FGM-Sensor komme ich ganz ohne Blutzuckermesssung am Finger aus. Dafür bekomme ich ohne mein aktives Zutun nicht mit, was mein Blutzuckerspiegel macht. Weder wird mir der aktuelle Blutzuckerwert angezeigt, noch bekomme ich Alarme, wenn der Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist. Kein Finger pieksen und keine Alarme stehen durchaus für eine hohe Lebensqualität. Dagegen fehlt mir vor allem die Sicherheit, bei Unterzuckerungen frühzeitig gewarnt zu werden.

Einen gemeinsamen negativen Aspekt haben aber in meinen Augen die CGM- und FGM-Sensoren. Man muss sich in regelmässigen Abständen einen neuen Sensor selber stechen und diesen dann tagelang am Körper herumtragen, oftmals am Arm, wo ihn besonders bei warmen Temperaturen auch jeder sehen kann. Beim klassischen Blutzuckermessgerät habe ich keine automatischen Alarme zur Verfügung, dafür entfällt das Stechen und Tragen von einem Sensor am Körper.

Mein Fazit: Die CGM-Sensoren bringen durch die Alarme eine Sicherheit in die Diabetestherapie. Diese Sicherheit wird mit dem Vorteil ergänzt, dass man jederzeit den ungefähren Blutzuckerspiegel ablesen kann, ohne mit Blutzuckermessungen die Finger zerstechen zu müssen. Menschen mit Diabetes haben meiner Meinung nach schon genug mit der Krankheit zu kämpfen, von daher ist eine Erleichterung (oder eben Bequemlichkeit) durch technische Hilfsmittel wie dem CGM-Sensor durchaus gerechtfertigt. Nutzt man die CGM-Sensoren und deren Alarme richtig, steht einer stressfreien und sicheren Diabetestherapie nichts im Wege.

Zur Person Andreas Kläui: Seit Oktober 2008 führe ich einen eigenen Blog, in dem ich offen über meinen Diabetes, der mir im Sommer 2005 diagnostiziert wurde, schreibe. Mein Hobby beinhaltet nicht nur Diabetes, auch blogge ich einfach über mich – wie in einem Tagebuch. Ich freue mich auf einen Besuch bei mir im klaeuiblog.

Sind Menschen mit #Diabetes nicht auch berechtigt, eine gewisse Bequemlichkeit zu geniessen? Was sind die Vor- und Nachteile eines CGM-Sensors? http://bit.ly/2nyf8qy #iph
FGM_CGM_Diabetes_Kläui
Ein FGM- Sensor (links am Arm) und ein CGM-Sensor (rechts).
 

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