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5. September 2018

Unterschiedlich starke Immunantwort

Die Reaktion des Immunsystems auf Krankheitskeime oder Impfstoffe fällt je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich stark aus. Das zeigen Wissenschaftler von ETH Lausanne (EPFL) und Pasteur-Institut (Paris) in einer aktuellen Studie.

Das schweizerisch-französische Forscherteam hat in seiner Studie die Immunreaktion von rund 1000 gesunden Personen untersucht. Konkret bestimmten die Wissenschaftler die Zahl der Antikörper, die bei Kontakt mit Krankheitskeimen oder Impfstoffen durch das Immunsystem der untersuchten Personen produziert wurden. Dabei konnten die Forscher zeigen, dass die Immunreaktion bei älteren Personen stärker ist als bei jüngeren, bei Frauen stärker als bei Männern. Über ihre Erkenntnisse berichteten die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift 'Genome Medicine'.

Nicht besser geschützt

Bedeutet dieser Befund, dass ältere Menschen und Frauen besser gegen Erreger wie Bakterien oder Viren geschützt sind? „Nein, das können wir aus unseren Daten nicht ableiten“, sagt Prof. Dr. Jacques Fellay, Leiter der Abteilung Präzisionsmedizin am Waadtländer Universitätsspital CHUV und Forscher an der EPFL. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Frauen und ältere Menschen mehr Antikörper gegen gewisse Erreger bilden – bei älteren Menschen vermutlich aufgrund der vermehrten Exposition gegenüber Pathogenen, bei Frauen kennen wir den Grund nicht. Mehr Antikörper bedeuten aber nicht automatisch einen besseren Schutz vor Krankheiten, den die Antikörper sind nur ein Teil der gesamten Immunabwehr.“

Anstoss für personalisierte Medizin

Die jüngsten Forschungsergebnisse stellen wichtige Grundlagen bereit, können aber nicht unmittelbar zur Entwicklung neuer medizinischer Wirkstoffe herangezogen werden, wie Prof. Fellay sagt. Die Resultate haben jedoch das Potenzial, mittelfristig die personalisierte Medizin voranzubringen, wie der Lausanner Arzt und Forscher sagt: „Indem wir Untersuchungsmethoden aus der Genetik anwenden, wollen wir die Wechselwirkungen zwischen Infektionen, chronischen Entzündungen und Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden und neuropsychiatrische Krankheiten besser verstehen. Aufgrund der Variationen in unserem Erbgut haben Krankheitserreger, denen wir alle ausgesetzt sind, unterschiedliche Auswirkungen auf den Grundzustand an Entzündungen einzelner Individuen. Letzterer wird zunehmend als ein wichtiger Faktor für verbreitete Erkrankungen erkannt. Wenn wir Personen ausfindig machen können, die ein erhöhtes Risiko für chronische Entzündungen haben, würde uns das einen stärker personalisierten Zugang zu Screenings, Prävention und Behandlung ermöglichen.“

Ältere Menschen und Frauen verfügen über eine besonders starke #Immunantwort, wie Forscher der ETH Lausanne zeigen. http://bit.ly/2Q6ZShC #iph
Der in Lausanne tätige Forscher und Arzt Prof. Dr. Jacques Fellay
Der in Lausanne tätige Forscher und Arzt Prof. Dr. Jacques Fellay
 

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