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7. September 2018

Aggressives Verhalten eindämmen

Forscherinnen und Forscher der ETH Lausanne haben im Gehirn von Mäusen einen Mechanismus beschrieben, der mit aggressivem Verhalten in Verbindung steht und der in Zukunft möglicherweise bei der Behandlung psychischer Störungen helfen könnte.

Es ist eine Frage so alt wie die Menschheit: Was macht Menschen aggressiv und gewalttätig? Die Klärung dieser Frage ist auch in der modernen Forschung noch aktuell, und in jüngerer Zeit wird diese Forschung sogar vermehrt gefördert, wie Carmen Sandi, Professorin am 'Brain Mind Institute' der ETH Lausanne sagt: „Da die Erforschung von Aggressionen erst seit kurzem namhaft unterstützt wird, steckt unser Wissen dazu noch in den Anfängen. Wir gehen heute davon aus, dass Aggression durch frühkindliche Traumata aufgrund von Vernachlässigung oder Misshandlung verursacht sein kann, dass aber zugleich eine entsprechende genetische Prädisposition die Verletzlichkeit gegenüber solchen Umwelteinflüssen begünstigt.“

Enzym ST8SIA2 im Fokus

Ein Forscherteam um Carmen Sandi hat nun bei der Untersuchung von Mäusen neue Erkenntnisse zu den Ursachen von Aggressivität gewonnen. Bei diesen Mäusen wurde auf gentechnischem Weg die Produktion des Enzyms ST8SIA2 unterbunden, das über verschiedene Folgeprodukte eine wichtige Rolle in der frühkindlichen Gehirnentwicklung spielt. Veränderungen im ST8SIA2-Gen wurden in Humanstudien assoziiert mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Autismus und bipolarer Störung, die oft mit aggressivem Verhalten einhergehen. Die Mäuse mit fehlendem ST8SIA2 zeigten reduzierte Angst, abnormale Aggressivität und eine reduzierte Fähigkeit, aus Furcht zu lernen. „Unsere Studie hat überdies erlaubt, bei den gentechnisch veränderten Mäusen Veränderungen im Gehirn zu identifizieren, welche das Lernen aus Furcht kontrollieren, ein Prozess, der sehr relevant ist für die Sozialisierung von Kindern“, sagt Carmen Sandi.

Wirkstoff gegen Aggressivität

In ihrer Arbeit haben die Lausanner Wissenschaftler Veränderungen im Funktionieren des Nervenzellen-Rezeptors NMDA in der Amygdala (einer Gehirnregion, die die Emotionen reguliert) als ein Schlüsselelement für die Entwicklung von Aggression identifiziert. Es ist ihnen auch gelungen, diesen Rezeptor mit dem pharmakologischen Wirkstoff D-Cycloserin zu aktivieren und auf diesem Weg die Aggressivität der Mäuse zu vermindern. Hier möchte Carmen Sandi auch in ihrer weiteren Forschung anknüpfen, wie sie sagt: „Wir möchten in neuen Versuchen klären, ob Menschen mit verhärtet-unemotionalen oder psychopathischen Zügen von dem erwähnten Wirkstoff profitieren. Fallen die Ergebnisse positiv aus, sollte diese Behandlung bei Patientinnen und Patienten mit psychischen Krankheiten getestet werden, die über ein hohes, pathologisches Aggressivitätsniveau verfügen.“

Ein Forscherteam der ETH Lausanne ist den körperlichen Grundlagen von #Aggressionen auf der Spur. http://bit.ly/2Qc2XN7 #iph
Prof. Carmen Sandi
Prof. Carmen Sandi vom 'Brain Mind Institute' der ETH Lausanne.
 

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