Themen

14. September 2018

Natürliche Geburt nach Endometriose-Operation möglich

Trifft es tatsächlich zu, dass Frauen nach einer Endometriose-Operation bei einer natürlichen Geburt ein erhöhtes Risiko in Kauf nehmen müssen? Mit dieser weit verbreiteten Meinung räumt nun eine Studie des Berner Inselspitals auf.

Frauen mit Endometriose leiden während der Regelblutung teilweise an starken Bauchschmerzen. Grund dafür ist das unkontrollierte Wachstum eines Gewebes, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist. Im Extremfall kann diese gutartige Gewebewucherung bis in Organe wie den Darm oder die Vagina vordringen ('tief-infiltrierende Endometriose'). „Bis zu 10% der Frauen im reproduktiven Alter leiden unter Endometriose, und rund jede zehnte der Betroffenen hat eine tief-infiltrierende Endometriose“, sagt Dr. med. Konstantinos Nirgianakis, Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des Berner Inselspitals.

Studie mit 248 Frauen

Frauen mit Endometriose werden im ersten Schritt medikamentös behandelt. Abhängig von den Beschwerden und dem Ansprechen auf die medikamentöse Therapie muss die Endometriose in schweren Fällen operativ entfernt werden. „Frauen mit Endometriose leiden oft unter Subfertilität, also einer eingeschränkten Fruchtbarkeit. Das heisst aber in der Regel nicht, dass sie keine Kinder bekommen können. Vielmehr sollte ihnen geholfen werden, schwanger zu werden“, sagt Nirgianakis. Der Berner Frauenarzt hat jüngst in einer Studie mit 248 Frauen, von denen ein Viertel wegen Endometriose operiert worden war, evaluiert, ob die Risiken für die folgende Schwangerschaft und Geburt bei den operierten Frauen höher sind. Darüber berichten er und seine Forscherkolleginnen und -kollegen in der Fachzeitschrift 'Fertility and Sterility'.

Weniger Risiken als erwartet

Die Studienergebnisse zeigen: Die Frauen, die sich früher einer Endometriose-Operation hatten unterziehen müssen, verzeichneten während der Geburt zwar einen leicht erhöhten Blutverlust. Es gab aber sonst keine Tendenz zu vermehrten Komplikationen für Mutter und Kind im Vergleich zu den Frauen ohne Operation. Auch war die Zahl der Spontangeburten in beiden Vergleichsgruppen nicht signifikant unterschiedlich. Die operierten Frauen brachten – so die weiteren Erkenntnisse – etwas leichtere Kinder zur Welt und hatten während der Schwangerschaft im Durchschnitt einen höheren Blutdruck. Auch litten sie etwas häufiger an einer 'Plazenta previa' (Verschluss des Geburtskanals durch den Mutterkuchen).

Frauen nach #Endometriose-OP werden nicht nur schwanger, sondern können auch spontan gebären, wie eine Berner Studie zeigt. http://bit.ly/2xgl4sH #iph
Endometriose
Typische Lokalisation der gutartigen Gewebewucherung zwischen Gebärmutter und Enddarm bei tief-infiltrierender Endometriose.
 

Weitere Themen