Themen

3. Oktober 2018

Wenn der MS-Schub abebbt

Multiple Sklerose verläuft schubweise. Die Betroffenen sind nicht nur während der Schübe durch die Krankheit beeinträchtigt, sondern auch in den dazwischen liegenden Erholungsphasen. Wie genau, zeigen neue Erkenntnisse eines Mainzer Forscherteams.

Zwischen zwei Krankheitsschüben stellt sich bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) eine Erholungsphase ein. Auch wenn sich in dieser Zeit die Krankheit weniger stark manifestiert, ist sie mitunter doch gegenwärtig durch Störungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, Fatique, Depression oder Angstzustände. Ein Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz um Prof. Frauke Zipp und Prof. Albrecht Stroh hat in einer aktuellen Untersuchung das Augenmerk genau auf diese Erholungsphase gerichtet. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Nature Neuroscience'.

Untersuchungen am Krankheitsmodell

Die beteiligten Forscherinnen und Forscher untersuchten die Erholungsphase nicht direkt an Patienten, sondern an einem Krankheitsmodell, wie der in Mainz tätige Neurologe Dr. med. Erik Ellwardt, Erstautor der Studie, erläutert: „Wir haben MS am Krankheitsmodell der Maus erforscht. Das bedeutet, wir hatten Mäuse als Versuchstiere, die durch eine entsprechende Behandlung (eine Immunisierung) einen der MS ähnlichen Krankheitsverlauf entwickelten.“ Eine Haupterkenntnis: Die Wissenschaftler haben während der untersuchten Krankheitsphase eine erhöhte elektrische Aktivität des Nervenzell-Netzwerks in der Grosshirnrinde festgestellt. Diese begünstigt das Absterben von Nervenzellen. Die erhöhte Netzwerk-Aktivität geht mit einer stärkeren Konzentration des Botenstoffs TNF-Alpha einher.

Botenstoff TNF-Alpha blockieren

Mit dem jüngsten Ergebnis leisten die Mainzer Neurologen einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Autoimmunkrankheit MS. Denn der von ihnen beschriebene Mechanismus dürfte zu der für MS typischen Schädigung der Nervenzellen (Neurodegeneration) beitragen. Die Resultate könnten auch den Weg zu neuen Behandlungsoptionen eröffnen: Den Wissenschaftlern gelang der Nachweis, dass sich die erhöhte elektrische Aktivität des Nervenzell-Netzwerks reduzieren lässt, wenn der Botenstoff TNF-Alpha blockiert wird. Daraus könnten neue Therapieansätze für MS hervorgehen, die nicht wie die bisher eingesetzten MS-Medikamente auf das Immunsystem zielen, sondern direkt bei den Nervenzellen ansetzen, um deren Absterben zu verhindern. „Unser Ansatz bestünde darin, die neuronale Hyperaktivität beispielsweise pharmakologisch zu blockieren“, sagt Neurologe Ellwardt.

Mainzer Forscher haben aufgeklärt, wie die Nervenzellen von #MS-Patienten zwischen den Krankheitsschüben beeinträchtigt werden. http://bit.ly/2ydHiMm #iph
Im Anschluss an einen Krankheitsschub kommt es bei Multipler Sklerose zu einer erhöhten Netzwerkaktivität von Nervenzellen, bedingt durch den Botenstoff TNF-Alpha. Die erhöhte Aktivität begünstigt Neurodegeneration.
Im Anschluss an einen Krankheitsschub kommt es bei Multipler Sklerose zu einer erhöhten Netzwerkaktivität von Nervenzellen, bedingt durch den Botenstoff TNF-Alpha. Die erhöhte Aktivität begünstigt Neurodegeneration.
 

Weitere Themen