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5. Oktober 2018

Fremde Personen lindern Schmerzen stärker

Eine Verhaltensstudie unter der Leitung der Universität Zürich bringt ein verblüffendes Resultat hervor: Die Schmerzbehandlung durch eine fremde Person scheint die Schmerzen stärker zu lindern als die Behandlung durch eine vertraute Person.

Ein Mensch, der an Schmerzen leidet, empfindet die Gegenwart einer vertrauten Person als wohltuend. Diese Aussage erscheint wie eine Selbstverständlichkeit. Nun hat ein Forscherteam unter der Leitung der Universität Zürich aber eine Studie durchgeführt, die diese Binsenwahrheit in ein neues, überraschendes Licht stellt: Offenbar empfinden Menschen eine Schmerzlinderung als stärker, wenn die schmerzlindernde Handlung nicht von einer vertrauten, sondern von einer fremdem Person durchgeführt wird. Über dieses Ergebnis berichten Forscherinnen und Forscher der Universitäten Zürich, Würzburg und Amsterdam in der Fachzeitschrift 'Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences'.

„Fremde“ aus dem Balkan

In der Studie erhielten 40 männliche Testpersonen mit Stromschlägen am Handrücken einen Schmerz zugefügt. Dann wurden die Probanden mit verschiedenen Personen konfrontiert, die dafür sorgten, dass die Stromschläge und damit der Schmerz reduziert wurden. Hierbei zeigte sich: Waren die Personen, die für die Schmerzlinderung sorgten, einer fremden Nationalität zugehörig (konkret: aus dem Balkan stammend), wurde die durch sie veranlasste Schmerzlinderung von den Testpersonen als stärker wahrgenommen als wenn die Schmerzlinderung durch eine Person der eigenen Nationalität erfolgte. In diesem Sinn äusserten sich die Testpersonen, und der gleiche Befund liess sich aus der Messung ihrer Gehirnaktivität ableiten. Fazit: Schmerzlinderung durch eine „fremde“ Person wird als stärker wahrgenommen als Schmerzlinderung durch eine Person, die der eigenen sozialen Gruppe angehört.

Unablässiges Lernen

Die Verhaltensforscher führen das Ergebnis darauf zurück, dass die Probanden von den Personen aufgrund ihrer Fremdheit zunächst eine weniger starke Schmerzlinderung erwartet hatten – und die tatsächlich gewährte Schmerzlinderung dann als um so bedeutender wahrnahmen. Kann man aus diesem Befund schliessen, dass auch ein Schmerzmittel in seiner Wirkung als besser wahrgenommen wird, wenn es von einer fremden Person verabreicht wird? „Wir haben das in unserer Studie nicht untersucht, aber das wäre eine Vorhersage, die vor dem Hintergrund der Studie plausibel klingt, die aber erst getestet werden müsste“, sagt Studienleiter Prof. Philippe Tobler vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich. Tobler macht zugleich deutlich, dass man die praktische Relevanz der Studie nicht überstrapazieren sollte: „Vordergründig könnte man aus unserer Studie den Schluss ziehen, dass es vorteilhaft ist, in der Schmerzbehandlung vorzugsweise fremde Ärzte und fremdes Pflegepersonal einzusetzen. Man sollte aber bedenken, dass die Menschen immer weiter lernen. Das heisst, sobald sie einmal die Erwartung gebildet haben, dass fremde Fachleute besonders gut pflegen, wird sich der von uns beobachtete Effekt nicht mehr gleich stark einstellen. Vielleicht würden die Fremden dann auch nicht mehr als fremd wahrgenommen.“

Werden #Schmerzen von einer fremden Person gelindert, wird die #Linderung als stärker wahrgenommen, sagt eine neue Studie. http://bit.ly/2OCopNu #iph
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