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9. Oktober 2018

Erholung nach einem Schlaganfall

Ein Schlaganfall führt zu einer Schädigung von Nervenzellen im Gehirn – mit schwerwiegenden Folgen. Studienergebnisse wecken die Hoffnung, geschädigte Nerven künftig mit einem neuen Wirkstoff regenerieren zu können.

Bei einem Schlaganfall werden Teile des Gehirns nicht mehr hinreichend mit Sauerstoff versorgt. In den betroffenen Regionen werden Nervenzellen geschädigt, und das führt bei Patientinnen und Patienten zu schwerwiegenden Folgen wie halbseitige Lähmung sowie Störungen bei Sprache, visueller Wahrnehmung und Tastgefühl. Sind die akuten Beschwerden des Schlaganfalls einmal behandelt, muss es daher ein zentrales Ziel der ärztlichen Therapie sein, die Funktion der Nervenzellen in den betroffenen Gehirnregionen wiederherzustellen. Auf dem Weg zu diesem Ziel ist einem Forscherteam der Universität Duisburg-Essen nun ein wichtiger Zwischenschritt gelungen, wie dieses in der Fachzeitschrift 'Stroke' berichtet.

Hoffen auf Molekül S44819

Im Zentrum der aktuellen Studie steht der GABA-A-Rezeptor. GABA ist ein wichtiger inhibitorischer Neurotansmitter, der die nachgeschalteten Nervenzellen hemmt. Das bedeutet: Legt man den GABA-A-Rezeptor still, kann man die neuronale Aktivität steigern und die neuronale Plastizität verbessern. Genau dies ist den deutschen Wissenschaftlern mithilfe des Moleküls S44819 gelungen. Die bisherigen Ergebnisse aus Tierversuchen, die in einer zur Zeit noch laufenden, weltweiten klinischen Phase IIb-Studie an Schlaganfallpatienten überprüft werden, deuten darauf hin, dass sich das Gehirn auf dem Weg nach einem Schlaganfall schneller und besser erholt.

„Wenn die laufende Phase IIb-Studie und die anschliessende Phase III zum Erfolg führen, werden die Patienten bald von einem neuen Medikament massiv profitieren“, sagt Prof. Dr. Dirk M. Hermann vom Lehrstuhl für Vaskuläre Neurologie, Demenz und Altersforschung der Universität Duisburg-Essen. „Denn wir verfügen inzwischen zwar über gute Akut-Medikamente (Thrombolytika) und über Katheterverfahren, um Blutgerinnsel abzusaugen. Aber es fehlen uns Medikamente, die es erlauben, eine Erholung der geschädigten Nervenzellen herbeizuführen.“ Genau das könnte nun der Wirkstoffkandidat S44819 leisten, sind die Wissenschaftler um Prof. Hermann und Prof. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, überzeugt. Die bisherigen Resultate deuten darauf hin, dass sich auf dem Weg Nervenzellen und Gliazellen besser regenerieren und die Bewegungskoordination und das räumliche Erinnerungsvermögen sich deutlich erholen.

In einem Paradigmenwechsel

Die Forschung rund um die Schlaganfalltherapie stehe zur Zeit in einem Paradigmenwechsel, betont Dirk Hermann. Lange Zeit habe man versucht, Neuroprotektiva zu entwickeln, die das Überleben von Nervenzellen in den ersten Stunden nach einem Schlaganfall fördern. Mit der Zeit habe man aber feststellen müssen, dass dieser Ansatz in der Klinik zu kurz greift, weil das Sichern des Zellüberlebens alleine nicht ausreicht, damit die Zellen dauerhaft funktionsfähig bleiben. Dirk Hermann: „Gegenwärtig laufen die ersten Studien mit Substanzen, die die Neuroplastizität fördern, die also nicht nur schwer vorgeschädigte Nervenzellen am Zelluntergang hindern, sondern die auf die Förderung der Neuverschaltung von Nervenzellen und eine tragfähige Funktionsverbesserung abzielen.“ Dies könnte die klinische Schlaganfalltherapie grundlegend verbessern.

Ein neuer Wirkstoff, der in der klinischen Erprobung steckt, könnte künftig die Regeneration des Gehirngewebes nach einem #Schlaganfall fördern. http://bit.ly/2pGElA2 #iph
Symptome und Warnsignale eines Hirnschlags
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