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10. Oktober 2018

Schuppenflechte und Herzinfarkt

Schuppenflechte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind eigentlich zwei ganz verschiedene Krankheitsbilder – und doch kommen sie bei vielen Personen gemeinsam vor, wie eine neue internationale Studie belegt.

Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) haben schuppige Stellen an Ellenbogen, Knien oder am Haaransatz. Bei fünf bis zehn Prozent dieser Personen schlägt die entzündliche Krankheit auch auf die Gelenke. In diesem Fall diagnostizieren Ärzte eine sogenannte Psoriasis-Arthritis. Glücklicherweise lassen sich die beiden Krankheiten heute sehr gut behandeln, wie Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg, sagt: „Ärzte verschreiben eine breite Palette von Wirkstoffen, von Medikamenten für die lokale Anwendung auf der Haut bis hin zu systemischen Immunsuppressiva. Dazu gehören Steroide in Tablettenform, Basistherapeutika wie Methotrexat, oder Biologika wie Antikörper gegen TNFalpha, Interleukin 17 oder IL12/23.“

IPART-Studie warnt

Menschen mit Psoriasis und Psoriasis-Arthritis laufen allerdings Gefahr, besonders häufig auch an Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes Mellitus zu erkranken, womit sie wiederum ein erhöhtes Risiko auf sich ziehen, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Auf diese Gefahr hat jüngst auch eine Untersuchung des International Psoriasis and Arthritis Research Teams (IPART) aufmerksam gemacht, in der über 2200 Psoriasis-Patientinnen und -Patienten aus Nordamerika und Israel untersucht wurden. „Fast die Hälfte der Patienten hatte im Alter von Anfang 60 ein Risiko von mehr als zehn Prozent, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden“, zitiert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie in einer Medienmitteilung IPART-Studienleiterin Dr. Lihi Eder (Universität Toronto).

Unterschätzte Begleiterkrankungen

Vor dem Hintergrund der internationalen Studie verweist Hanns-Martin Lorenz auf die Dringlichkeit, bei Psoriasis-Patientinnen und -Patienten mögliche Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung regelmässig diagnostisch abzuklären und ggf. zu behandeln. Diese Begleiterkrankungen werden von den Betroffenen heute generell unterschätzt. Das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt insbesondere für jene Personen, die neben einer Psoriasis auch an einer Psoriasis-Arthritis leiden. Warum genau die Schuppenflechte bei einem Teil der Menschen auch zu Gelenkproblemen führt, gibt der Wissenschaft heute noch Rätsel auf, wie Prof. Lorenz sagt: „Welche Prozesse die Arthritis herbeiführen, weiss man bisher nicht. Doch letztlich haben Psoriasis und die zugehörige Arthritis die gleiche Ursache: Irgendwie kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems, das dann fehlgeleitet die Haut und/oder die Gelenke befällt.“

Oft kommt #Schuppenflechte nicht allein, sondern geht mit Gelenkschmerzen und Kreislaufproblemen einher, so eine neue Studie. http://bit.ly/2yrH44C #iph
Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz ist als Rheumaexperte am Universitätsklinikum Heidelberg tätig und präsidiert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz ist als Rheumaexperte am Universitätsklinikum Heidelberg tätig und präsidiert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie.
 

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