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17. Oktober 2018

Darmbakterien schützen transplantierte Organe

Amerikanische Forscher haben in Mäusen herausgefunden, dass gewisse Darmbakterien die Abstossung von Spenderorganen reduzieren können. Nun hofft man, dass diese Erkenntnisse dereinst die Entwicklung neuer Immunsuppressiva ermöglicht.

Wenn das Herz, die Lunge, Niere oder Leber nicht mehr richtig arbeitet oder ihren Dienst ganz versagt, braucht der Mensch ein Spenderorgan. Nach der Transplantation müssen die Betroffenen jedoch lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, starke Medikamente, welche die Abstossung des fremden Organs verhindern. Das Immunsystem wird auf diese Weise aber nicht komplett ausgeschaltet, daher können die Transplantate mehrere Jahre nach der Operation leichte Narben und Entzündungen aufweisen – offenbar die Folgen kleiner Attacken des Immunsystems.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen, deren Körper das Spenderorgan abgestossen hatte, bestimmte Bakterien im Darm aufwiesen. Eine mögliche Interpretation davon ist, dass diese Bakterien die Abstossungsreaktion ausgelöst oder zumindest verstärkt hatten. Die zweite Erklärungsvariante ist, dass die Abstossung das Wachstum der Bakterien begünstigt hatte.

Möglicher Ansatz für neue Immunsuppressiva

Ein Forscherteam um Jonathan Bromberg von der University of Maryland in Baltimore (USA) versuchte, den dahintersteckenden Mechanismus aufzudecken. Gelänge dies, so könnte das der Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente gegen die gefürchtete Abstossungsreaktion sein.

Brombergs Team übertrug Mäusen Darmflora von trächtigen Artgenossinnen (das Immunsystem wird während der Schwangerschaft auf natürliche Weise unterdrückt, damit es den Fötus nicht angreift). Andere Versuchstiere bekamen entweder Darmflora von nicht-trächtigen Mäusen verabreicht oder solche von Tieren mit Kolitis, einer chronischen Darmentzündung.

Nach der Darmflora-Transplantation pflanzten die Wissenschaftler allen Mäusen das Herz eines nicht-verwandten Tieres in den Bauch ein. Dazu wurde ihnen Mittel zur teilweisen Immunsuppression verabreicht.

Alle fünf Mäuse mit der Darmflora trächtiger Artgenossinnen überlebten 40 Tage lang. Von den Tieren mit Darmflora von nicht-trächtigen Mäusen schaffte dies nur eine von fünf. Und bei jenen mit der Kolitis-Darmflora waren es drei von vier.

Darmbakterien kommunizieren mit Immunzellen

Laut Jonathan Bromberg kommunizieren Darmbakterien mit den Immunzellen in den Darmwänden und können deren Aktivität erhöhen oder senken. Er und sein Team wollen nun mehr darüber herausfinden, wie die Darmbakterien dies bewerkstelligen und wie man diesen Effekt mit Medikamenten nachahmen beziehungsweise auslösen könnte.

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Darmflora
Gewisse Darmbakterien können die Abstossung von Spenderorganen reduzieren, wie Forscher anhand von Untersuchungen an Mäusen herausgefunden haben.

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