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11. Juni 2018

Wenn einem das Herz bricht

Das Takotsubo-Syndrom (auch: Stress-Kardiomyopathie oder Broken-Heart-Syndrom) ist eine seltene Störung des Herzmuskels, die nach einer emotionalen oder körperlichen Belastung auftritt.

Das Takotsubo-Syndrom (TTS) wurde im Jahr 1990 erstmals als eigenständige Herzkrankheit beschrieben. Der Name bezieht sich auf eine japanische Tintenfischfalle, deren Form an die beim TTS krankhaft veränderte linke Herzkammer erinnert. Das Universitätsspital Zürich ist führend bei der Erforschung des vorwiegend bei Frauen auftretenden Herzleidens. Am Universitätsspital Zürich werden pro Jahr rund 30 Patientinnen und Patienten mit TTS diagnostiziert. PD Dr. Jelena-Rima Templin-Ghadri und Prof. Dr. Dr. Christian Templin vom Universitären Herzzentrum in Zürich waren nun auch massgeblich an der Erarbeitung von Diagnose- und Therapierichtlinien der noch relativ jungen Erkrankung beteiligt.

Zürcher Register als Grundlage

Mit Blick auf die Therapie des TTS seien bisher noch keine prospektiven randomisierten Studien durchgeführt worden, sagt Victoria Lucia Cammann, die die Erforschung vom TTS am Universitätsspital als wissenschaftliche Mitarbeiterin begleitet. Die Forscherin ergänzt: „In unserem Expertenkonsensus, der dieser Tage im 'European Heart Journal' publiziert wurde und an dem sich die prominentesten TTS-Forscher weltweit beteiligten, haben wir erstmals Therapieempfehlungen ausgesprochen, die sowohl auf klinischer Expertise als auch auf aktueller Studienlage beruhen.“ Ein erheblicher Teil der für die Therapieempfehlungen verwendeten Daten stammen aus dem Internationalen Takotsubo-Register, das 2011 am Universitären Herzzentrum des Zürcher Universitätsspitals gegründet wurde und die weltweit grösste derartige Studie mit mehr als 2100 eingeschlossenen Patienten von 40 kardiovaskulären Zentren aus zwölf Ländern darstellt.

Erhebliche Dunkelziffer

Die neuen Richtlinien helfen Kardiologen nicht nur bei der Therapie der akuten Herzerkrankung, sondern liefern auch Hilfestellungen bei der Diagnose. Da sich das TTS nicht leicht von anderen akuten Herzerkrankungen unterscheiden lässt, ist die Stellung einer korrekten Diagnose sehr anspruchsvoll. „Wir müssen bei der Erkrankung von einer deutlichen Dunkelziffer ausgehen“, sagt denn auch Victoria Lucia Cammann. „Dies liegt zum einen daran, dass es sich beim TTS um eine relativ verkannte Krankheit handelt. Zum anderen glauben wir, dass subklinische Formen häufig nicht erkannt werden, da nicht alle Patientinnen und Patienten koronarangiographiert werden.“ Die Erkrankung, die mitunter allein schon durch ein emotional stark belastendes Ereignis hervorgerufen wird, kann bei Komplikationen im Akutstadium schlimmstenfalls zum Tod führen. In den meisten Fällen sind Patientinnen und Patienten nach wenigen Wochen aber wieder wohlauf.

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Victoria Lucia Cammann erforscht am Universitätsspital Zürich im Team von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Christian Templin und PD Dr. med. Jelena-Rima Templin-Ghadri das Takotsubo-Syndrom.
Victoria Lucia Cammann (Foto) erforscht am Universitätsspital Zürich im Team von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Christian Templin und PD Dr. med. Jelena-Rima Templin-Ghadri das Takotsubo-Syndrom.
 

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