Themen

7. November 2018

Der Darm ist bei MS mit im Spiel

Ein Forscherteam der Universität Zürich verfolgt bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) eine neue Spur: Offenbar hat die Darmflora einen grösseren Einfluss auf die Entwicklung der Autoimmunerkrankung als bisher angenommen.

Eine MS-Erkrankung macht sich durch unterschiedliche Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen bemerkbar. Ursache ist eine Schädigung der Nervenzellen, die durch eine fehlgeleitete Immunreaktion des eigenen Körpers hervorgerufen wird. Über die tieferen Ursachen und Mechanismen, die zu MS führen, besteht in der Wissenschaft aber noch keine Einigkeit. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Klinischen Forschungsschwerpunkts Multiple Sklerose der Universität Zürich haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, die darauf hindeuten, dass die Darmflora für die Entwicklung von MS eine wichtigere Rolle spielt als bisher angenommen. Über ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der Fachzeitschrift 'Science Translational Medicine' berichtet.

Immunzellen im Darm aktiviert

Die Forscher beziehen sich in ihrer Studie auf eine Art von Bakterien, die im Darm von MS-Patientinnen und -Patienten vermehrt vorkommen und die ein bestimmtes Enzym produzieren, das von Immunzellen erkannt wird, die für MS verantwortlich sind. Die Wissenschaftler vermuten, dass die fraglichen Immunzellen im Darm aktiviert werden und dann ins Gehirn wandern, wo sie die für MS typischen Nervenschäden hervorrufen. Darf man aus den Ergebnissen den Schluss ziehen, dass MS durch bestimmte Formen der Ernährung begünstigt wird? Dazu die Zürcher Forscherin Dr. Mireia Sospedra Ramos: „Wir wissen, dass die Ernährung die Darmflora beeinflusst. Da unsere Studie nahe legt, dass die Darmflora die Entwicklung der MS begünstigen kann, könnte das möglicherweise der Fall sein. Weitere Foschung ist erforderlich, um diesen Zusammenhang zu bestätigen und besser zu verstehen.“

Mehrere klinische Studien geplant

Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Zeit an einer Zelltherapie, die sich zielgenau gegen die krankhaften Immunzellen richtet und deren Schadenspotenzial mindern soll. Eine klinische Phase Ib-Studie, die die Sicherheit der Behandlung erweisen soll, wird Ende dieses Jahres abgeschlossen werden, sagt Mireia Sospedra Ramos: „In der anschliessenden, auf zwei Jahre angelegten Phase IIa-Studie mit rund 30 Patienten wollen wir dann die Magnetresonanz-Bildgebung nutzen, um zu zeigen, dass unser Ansatz MS tatsächlich hemmt. Fallen die Ergebnisse wie erhofft aus, wollen wir nachher eine grosse, multizentrische Studie durchführen, die im Erfolgsfall den Weg für eine neue MS-Therapie ebnen könnte.“

#MultipleSklerose scheint ihre Ursachen auch im #Darm zu haben, wie ein Zürcher Forscherteam vermutet. http://bit.ly/2DrTBcW #iph
Schwindende Nervenhüllen: An den lädierten Stellen (unten im Bild) im Gehirn von MS-Patienten fehlt das Myelin (oben in blau).
Schwindende Nervenhüllen: An den lädierten Stellen (unten im Bild) im Gehirn von MS-Patienten fehlt das Myelin (oben in blau).
 

Weitere Themen