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13. November 2018

Schilddrüse in Gefahr

Neben der Jodaufnahme haben auch genetische Faktoren Einfluss auf die Entstehung von Erkrankungen der Schilddrüse. Ein internationales Forscherteam hat nun bisher unbekannte Gene gefunden, die mit solchen Erkrankungen in Zusammenhang stehen.

Wenn erwachsene Menschen zu wenig Jod aufnehmen, kann es zu einer Schilddrüsen-Vergrösserung (Struma), einer krankhaften Überfunktion der Schilddrüse und weiteren Erkrankungen der Schilddrüse kommen. Daher wird die Bevölkerung über einen Zusatz in Kochsalz mit Jod versorgt. Eine Überfunktion der Schilddrüse kann aber – gleich wie eine Unterfunktion – auch genetische Ursachen haben. Eine neue Studie hat mehrere Gene entdeckt, die den Spiegel an Schilddrüsen-Hormonen beeinflussen und auf diesem Weg zu einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse oder zu Struma führen können. Über ihre Erkenntnisse berichten die beteiligten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Nature Communications'.

Daten von 72'000 Personen

130 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im ThyroidOmics Consortium zusammenarbeiten, haben im Erbgut von 72'000 Personen mehr als 100 Genorte gefunden, welche die Funktion der Schilddrüse beeinflussen. Für zwei dieser Gene konnte sogar eine direkte Beeinflussung des Hormonstoffwechsels nachgewiesen werden. Nach Auskunft von Dr. Alexander Teumer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universitätsmedizin Greifswald, könnten die jüngsten Erkenntnisse die Grundlage zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Schilddrüsen-Erkrankungen bilden: „Ein möglicher nächster Schritt könnte meines Erachtens darin bestehen, Überexpression bzw. das Ausschalten der Kandidaten-Gene genauer zu analysieren – und im Tierversuch zu untersuchen, wie dadurch die Funktion der Schilddrüse beeinflusst wird.“

Erkrankungsrisiko abschätzen

Die beteiligten Wissenschaftler sehen neben der Entwicklung neuer pharmazeutischer Wirkstoffe weitere Anwendungsgebiete für die jüngsten Forschungsergebnisse. So könnten sie durch individuelle Risikoabschätzung effektivere Therapieansätze bei der Behandlung von Schilddrüsen-Fehlfunktionen hervorbringen, betonen die Wissenschaftler. Dazu die Erläuterung von Dr. Teumer, der auch als Co-Autor der 'Nature Communications'-Studie und Koordinator des ThyroidOmics Consortium zeichnet: „Die natürliche Variation in den in der Studie genannten Genen führt zu einer Erhöhung oder Verringerung des Schilddrüsen-Hormonspiegels, bis hin zu einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion. Diese genetische Information, die zwischen verschiedenen Personen oftmals unterschiedlich ist, kann zusätzlich zu äusseren Einflüssen (wie beispielsweise eine mehr oder weniger ausgeprägte Jodaufnahme) verwendet werden, um das individuelle Risiko für eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion genauer abzuschätzen.“

Ein internationales Forscherteam ist bisher unbekannten genetischen Faktoren von Schilddrüsen-Erkrankungen auf die Spur gekommen. #Schilddrüse http://bit.ly/2DB8hGN #iph
Alexander Teumer
Dr. Alexander Teumer erhofft sich von den neuesten Erkenntnissen, dass wirksamere Medikamente für Schilddrüsen-Erkrankungen entwickelt werden können.

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