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14. November 2018

Freie Sicht aufs Gesicht

Mitunter hängt die Qualität medizinischer Versorgung an einem Detail: Die Empa - St. Gallen entwickelt einen neuartigen Mundschutz für Ärzte und Pflegefachleute. Der Vorteil: Der Mundschutz ist durchsichtig und gibt so das Gesicht des Gegenübers frei

Ärztinnen und Ärzte, aber auch Pflegefachpersonen tragen einen Mundschutz, wenn es gilt, geschwächte Patientinnen und Patienten vor Keimen zu schützen. Der Nachteil dieser meist weissen oder grünen Gesichtsbinden: Patientinnen und Patienten können das Mienenspiel des Gegenübers nicht erkennen; ein Nachteil, der vor allem bei der Behandlung von Kindern und betagten Personen ins Gewicht fallen kann. Hier will ein Forscherteam der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in St. Gallen nun mit einem neuartigen Mundschutz Abhilfe schaffen, der vor Keimen schützt und atmungsaktiv ist, zugleich aber teilweise durchsichtig ist und so die Mundpartie von Ärzten und Pflegepersonen erkennen lässt.

Sicher und durchsichtig

Ein herkömmlicher Mundschutz besteht aus mehreren Lagen von relativ dicken Fasern. Diese bilden meist ein poröses Vlies, so dass sie für Luftmoleküle durchlässig sind, ansteckende Keime aber ausfiltern. „Um Sicherheit und Komfort dieser medizinischen Schutzbinden zu gewährleisten, bestehen klare internationale Normen zum Beispiel für die bakterielle Filterfähigkeit (EN14683),
aber auch für die Atmungsaktivität (EN14683)“, sagt Dr. Giuseppino Fortunato. Der Empa-Forscher entwickelt nun zusammen mit einem Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Textil, das diese Anforderungen erfüllt, aber durchsichtig ist. „Wir spinnen und modifizieren die Fasern so, dass diese transparent bleiben“, erläutert Fortunato das gewählte Verfahren.

Noch einige Knacknüsse

Der neuartige Mundschutz mit dem Namen 'Hello Mask' könnte künftig Patienten mit geschwächtem Immunsystem schützen, aber auch Personen, die mit Patienten zu tun haben, die an hochansteckenden Krankheiten wie Ebola leiden. Ein Prototyp des Mundschutzes soll bis Ende nächsten Jahres fertig sein und dann im Rahmen des EssentialTech-Programms der ETH Lausanne bis zur Kommerzialisierung weiterentwickelt werden. Bis es soweit ist, haben die beteiligten Forscher noch einige Nüsse zu knacken, wie Giuseppino Fortunato sagt: „Wir stehen jetzt gerade einmal im ersten Jahr des Projektes. Es müssen noch einige Probleme gelöst werden, darunter das Upscaling der materialwissenschaftlichen Erkenntnisse in einen grösseren Massstab und verschiedene sicherheitsrelevante Tests. Ferner arbeiten wird an einer Verbesserung der Transparenz, damit der Mundschutz das Gesicht des Gegenübers wirklich einwandfrei erkennen lässt.“

Empa-Forscher arbeiten an einem durchsichtigen #Mundschutz für Ärzte und Pflegepersonal. http://bit.ly/2DDLGtl #iph
Für die 'Hello Mask' haben Empa-Forscher Membranen aus feinen Fasern mit einer Porengrösse im tiefen Mikrometerbereich mittels Elektrospinning hergestellt.
Für die 'Hello Mask' haben Empa-Forscher Membranen aus feinen Fasern mit einer Porengrösse im tiefen Mikrometerbereich mittels Elektrospinning hergestellt.

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