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15. November 2018

Kampf gegen Medikamenten-fälschungen wird verstärkt

Die Medikamentensicherheit und die Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen werden in der Schweiz ab 2019 verstärkt. Per 1. Januar 2019 wird die Gesetzesänderungen zur Umsetzung der Medicrime-Konvention in Kraft treten.

Weltweit nimmt der Handel mit gefälschten und illegalen Heilmitteln zu. Gesetzeslücken, zu geringes Strafmass und mangelnde nationale und internationale Zusammenarbeit der Behörden machten es der organisierten Kriminalität zu leicht, ihren verwerflichen Geschäften nachzugehen. Dies ändert sich nun: Die Bekämpfung von Medikamentenfälschungen wird in der Schweiz mit der Umsetzung der Medicrime-Konvention verstärkt. Die vom Europarat erarbeitete Medicrime-Konvention, für die sich die Schweiz stark engagiert hat, ist das erste internationale Übereinkommen, das die Unterbindung des illegalen Arzneimittelhandels zum Ziel hat. Die Vertragsstaaten, darunter die Schweiz, verpflichten sich, die Straftatbestände für Herstellung, Angebot und Handel mit gefälschten Heilmitteln zu erweitern. Jedes Jahr gelangen schätzungsweise rund 20 000 illegale Arzneimittelsendungen in die Schweiz.

Die 2019 in Kraft tretenden Änderungen ermöglichen eine Verbesserung des nationalen und internationalen Informationsaustauschs sowie der strafrechtlichen Untersuchungsmöglichkeiten. Diese Änderungen betreffen das Heilmittelgesetz (HMG) und die Strafprozessordnung (StPO). Über die Ausführungsbestimmungen zur freiwilligen Anbringung von Sicherheitsmerkmalen und -vorrichtungen (z. B. Datamatrix-Code) auf der Verpackung verschreibungspflichtiger Arzneimittel wird der Bundesrat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Sicherheitsmerkmale auf den Packungen

Für die Pharmaindustrie in der Schweiz ist jedoch klar, dass alle beteiligten Marktakteure ihren Anteil an Vorkehrungen treffen müssen, so dass die legale Lieferkette frei bleibt von gefälschten und illegalen Heilmitteln bzw. eingeschleuste Fälschungen spätestens bei der Abgabe an den Patienten oder an das Gesundheitspersonal entdeckt werden. Die Pharmaindustrie hat damit begonnen, auch in der Schweiz auf den Packungen der Arzneimittel Sicherheitsmerkmale aufzudrucken, welche dem internationalen Sicherheitsstandard entsprechen und welche die Identifizierung des Produkts am Abgabepunkt erlauben.

Am 1. Januar 2019 tritt auch die Totalrevision der Arzneimittel-Bewilligungsverordnung (AMBV) in Kraft. Mit dieser können die Kontrolle und die Rückverfolgbarkeit der Medikamente in der Lieferkette verbessert werden. Das betrifft insbesondere die Zwischenhändler, die in Zukunft sicherstellen müssen, dass ihre Lieferanten über die erforderlichen Handelsbewilligungen verfügen und die von ihnen eingekauften und weiterverkauften Arzneimittel weder aus illegalem Handel stammen noch für widerrechtliche Zwecke bestimmt sind.

Vorischt beim Kauf übers Internet

Von Fälschungen sind nicht nur Lifestyle-Präparate wie etwa Potenzförderer oder Schlankheitsmittel betroffen, sondern auch Krebsmedikamente, Antibiotika oder Herz-Kreislauf-Arzneimittel. In den westlichen Industriestaaten ist vor allem der Verkauf von Medikamenten über das Internet das wichtigste Einfallstor für gefälschte Medikamente. Gemäss WHO könnten über das Internet verkaufte Medikamente in 50% der Fälle gefälscht sein.

In der Schweiz sind Arzneimittelfälschungen in den offiziellen Vertriebskanälen bisher kein Problem. Der Bezug von Medikamenten in Apotheken, Drogerien oder beim Arzt (Selbstdispension) hat den Vorteil, dass diese Arzneimittel aus den offiziellen und kontrollierten Vertriebskanälen stammen. Die Vertriebskanäle werden einerseits durch die Pharmafirmen selber überwacht, aber auch durch Inspektionen der Behörde kontrolliert. Bei einer Medikamentenbestellung im Internet lässt sich die Herkunft des Medikaments nicht zurückverfolgen und dieser Vertriebskanal entzieht sich der Kontrolle der Behörden.

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Medikamentenfälschungen
Von Swissmedic beschlagnahmte Medikamentenfälschungen. Fälschungen können den richtigen Wirkstoff enthalten, jedoch in zu hoher oder zu niedriger Dosierung oder in verunreinigter Form. Gefährlich werden kann es aber auch, wenn von den erwarteten Wirkstoffen nicht die geringste Spur vorhanden ist.
 

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