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16. November 2018

Wie der Darm mit Antibiotika fertig wird

Durch den Einsatz von Antibiotika können bakterielle Krankheitserreger wirkungsvoll bekämpft werden. Allerdings ziehen die Medikamente auch die Darmflora in Mitleidenschaft. Ein Forschungsprojekt zeigt, wie sich der Darm von dieser Belastung erholt.

Vor über hundert Jahren wurden die Antibiotika entdeckt und gehören seither zu den wirkungsvollsten Heilmitteln der Menschheitsgeschichte. Antibiotische Wirkstoffe sind aus dem medizinischen Alltag nicht mehr wegzudenken – und doch hat ihr Einsatz auch eine Kehrseite: Antibiotika zerstören nicht nur die bakteriellen Krankheitserreger, gegen die sie eingesetzt werden, sondern sie belasten auch die Darmflora, die aus Milliarden von Bakterien besteht, die Nahrung verdauen, Vitamine produzieren und die Immunabwehr unterstützen. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass der Darm über eine ausgeprägte Fähigkeit verfügt, die Beeinträchtigungen durch Antibiotika in relativ kurzer Zeit wieder wettzumachen. Darüber berichten Forscherinnen und Forscher aus Dänemark, Deutschland und China in der Fachzeitschrift 'Nature Microbiology'.

Zwölf Männer sechs Monate beobachtet

Die Wissenschaftler haben in der Studie die Auswirkungen von Antibiotika auf den Darm untersucht. Sie verabreichten zwölf jungen, gesunden Männern über vier Tage hinweg einen Cocktail aus den Antibiotika Meropenem, Gentamicin und Vancomycin – drei starke Wirkstoffe, die gewöhnlich eingesetzt werden, wenn gängige Antibiotika nicht mehr wirken. Als die Wissenschaftler während den folgenden sechs Monaten die Darmflora der Testpersonen untersuchten, stellten sie fest, dass sich die durch die Antibiotika beeinträchtigten Darmbakterien nach und nach regenerierten und die Darmflora sich fast vollständig erholte. Gleichzeitig fanden sie mit Genanalysen heraus, dass das Erbgut der Darmbakterien teilweise verändert worden war. Die Zahl der Resistenzgene hatte sich erhöht: Bei künftigen Behandlungen würden die eingesetzten medizinischen Wirkstoffe also nur noch eingeschränkt wirken.

Nebenwirkung auf Darmflora unterbinden

Die jüngsten Forschungsergebnisse könnten neue Anstösse geben, wie sich die durch Antibiotika hervorgerufenen Beeinträchtigungen der Darmbakterien künftig möglicherweise unterbinden oder zumindest verringern lassen. Dazu die Einschätzung von Dr. Sofia Forslund, Forscherin am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin mit Co-Autorin der oben erwähnten Studie: „Der beste Weg scheint zu sein, Bakterienkolonien, die dem Patienten vor der Antibiotika-Behandlung aus dem Stuhl entnommen wurden, nach der Behandlung wieder zurückzugeben. Bislang fallen Studien über die Wirksamkeit solcher probiotischer Nahrungsmittel noch gemischt aus. Aber ich denke, dass ihre Wirkung künftig weiter verbessert werden kann.“

Die #Darmflora hat die Fähigkeit, sich von der Beeinträchtigung durch #Antibiotika zu erholen, wie ein internationales Forscherteam zeigt. http://bit.ly/2QLfDus #iph
Darmbakterien
Elektronenmikroskopische Aufnahme von kultivierten Darmbakterien des Typs Escherichia coli (auf einem Objektträger, nachträglich koloriert).
 

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