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19. November 2018

Bakterien gegen Krebs

Das Basler Start-up T3 Pharmaceuticals entwickelt eine Krebsimmuntherapie, bei der lebende Bakterien im Kampf gegen Tumore eingesetzt werden. Nun wurde das Jungunternehmen in Berlin als 'Falling Walls Science Start-up of the Year 2018' ausgezeichnet.

'Falling Walls' ist eine alljährlich in Berlin stattfindende, international ausgerichtete Wissenschaftskonferenz. In diesem Kontext wurde dieser Tage das Basler Start-up T3 Pharmaceuticals für eine innovative Krebstherapie ausgezeichnet. Es setzte sich damit an die Spitze von 23 Jungunternehmen, die in Berlin an den Start gegangen waren. „Die Auszeichnung durch die fachkundige Jury ist nicht nur Bestätigung für unsere Arbeit, sondern auch der Beweis, dass wir mit unserem neuen Therapieansatz auf internationaler Ebene bestehen können“, sagt Dr. Simon Ittig, CEO von T3 Pharmaceuticals. Ittig hat am Biozentrum Basel in Mikrobiologie promoviert und das Unternehmen zusammen mit Dr. Marlise Amstutz und Dr. Christoph A. Kasper gegründet.

Heilende Bakterien

Die Wissenschaftler um Simon Ittig arbeiten an einer neuen Therapie gegen Krebs, bei der das Immunsystem der Patientin bzw. des Patienten so aktiviert wird, dass die Immunzellen die Krebszellen bekämpfen. Mittel zum Zweck sind Yersinia enterocolitica-Bakterien, die normalerweise für die Entstehung von Durchfallerkrankungen verantwortlich sind. Die Mikroorganismen werden genetisch so manipuliert, dass sie im Körper den Weg zum Tumor finden, sich dort vermehren und ein gewünschtes Protein herstellen, das schliesslich über ein bakterielles Nadelsystem direkt in die Krebszellen eingeschossen wird. Das Protein löst im Innern der Tumorzelle dann eine spezifische Immunantwort aus, welche zu einer Bekämpfung des Tumors durch das Immunsystem des Patienten führt. Eine Behandlung, die auch auf lebenden Bakterien und der daraus resultierenden Aktivierung des Immunsystems beruht, wird schon seit längerem erfolgreich gegen Blasenkrebs eingesetzt (BCG, unter dem Markenname TICE und TheraCys). “Die von T3 Pharmaceuticals entwickelte Therapie hat das Potenzial, gegen unterschiedlichste feste Tumore und Lymphome – also ein Grossteil aller Krebsarten – eingesetzt zu werden“, sagt Ittig.

Klinische Studien ab 2020

Bis Patientinnen und Patienten von der neuen Behandlung profitieren können, müssen die Wissenschaftler noch einen mehrjährigen Weg erfolgreich zurücklegen. In einem ersten Schritt wird es darum gehen, das Herstellungsverfahren für den potenziellen Wirkstoff zu skalieren, um diesen in grösserer Menge produzieren zu können. Für das Jahr 2020 ist eine erste klinische Studie mit Patienten geplant, in der Verträglichkeit, Sicherheit und Dosierung des Wirkstoffs erprobt werden. „Wenn all unsere Arbeiten erfolgreich verlaufen, wird der neue Wirkstoff vermutlich als erstes bei Tumoren auf der Oberfläche, also auf der Haut, im Hals- und Nackenbereich eingesetzt werden“, blickt Ittig in die Zukunft.

Basler #Jungunternehmen T3 Pharmaceuticals als #'Falling Walls Science Start-up of the Year 2018' ausgezeichnet. http://bit.ly/2DLlAEK #iph
Preisübergabe durch Stefan von Holtzbrinck, Chairman Falling Walls Venture Jury, an Simon Ittig (Mitte), begleitet von Christian Schneider, Vertreter der Universität Basel.
Preisübergabe durch Stefan von Holtzbrinck, Chairman Falling Walls Venture Jury, an Simon Ittig (Mitte), begleitet von Christian Schneider, Vertreter der Universität Basel.

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