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26. November 2018

Gehörsinn für dreijährigen Jungen

Dank der Einpflanzung eines Hirnstammimplantats kann ein zuvor taubes Kind jetzt Töne, Sprache und Geräusche wahrnehmen. Die anspruchsvolle Operation ist am Universitätsspital Zürich erstmals in der Schweiz bei einem Kleinkind gelungen.

Ärzte können Menschen, die schlecht oder gar nicht hören, mitunter mit einem Implantat den Hörsinn zurückgeben. Verbreitet sind Cochlea-Implantate, welche dabei helfen, die akustischen Signale, die auf das Ohr treffen, an die Hörnerven zu übertragen, welche sie ins Gehirn weiterleiten. Nun kann es aber vorkommen, dass die Hörnerven aufgrund einer Tumorerkrankung, einer Degeneration oder einer Entzündung nicht mehr funktionieren. In diesen Fällen greifen Mediziner auf ein Hirnstammimplantat zurück, das die akustischen Signale unter Auslassung der Hörnerven direkt ans Gehirn (Hirnstamm) übertragen. Solche Hirnstammimplantate sind in der Schweiz bei Erwachsenen schon vielfach eingesetzt worden. Im August dieses Jahres wurde der Eingriff erstmals im Land bei einem Kleinkind vorgenommen, wie das Universitätsspital Zürich jetzt in einer Medienmitteilung berichtet.

Knowhow von britischen Kollegen

Der dreijährige Kiyan war ohne Hörnerven geboren worden. So war die Einpflanzung eines Hirnstammimplantats der einzige Weg, ihm das Hören zu ermöglichen. Für die anspruchsvolle Operation griffen die Ärzte des Universitätsspitals Zürich unter anderem auf die Erfahrungen von britischen Kollegen zurück. London ist eines von mehreren europäischen Zentren, in denen Kinder bereits mit einem solchen Implantat versorgt wurden. Bei dem Eingriff arbeiteten Spezialisten der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie mit Neurochirurgen zusammen. Nach Auskunft der Ärzte geht es dem kleinen Patienten ausgezeichnet. Seit der Operation kommt er ganz ohne die Einnahme von Medikamenten aus.

Hören lernen

Der operierte Junge kann jetzt Geräusche, Töne und Sprache wahrnehmen. Allerdings muss sein Gehirn nun erst lernen, die akustischen Signale, die durch das Implantat übertragen werden, richtig zu interpretieren. Weil die Operation im frühen Kindesalter durchgeführt wurde, bleibt dem Jungen mehr Zeit für diesen langwierigen Prozess. Wird Kiyan längerfristig normal hören können, wenn sich das Implantat bewährt? Dazu die Einschätzung von Prof. Dr. med. Alexander Huber, Direktor der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie: „Das Ziel ist die Integration des Patienten in die hörende Welt, sowohl sozial als auch schulisch, und die Entwicklung einer Lautsprache.“

Einem Ärzteteam des Universitätsspitals Zürich gelingt erstmals in der Schweiz die Einpflanzung eines #Hirnstammimplantats bei einem Kleinkind. http://bit.ly/2RdtnhT #iph
Kiyan_Hören
Der dreijährige Kiyan kann dank eines Implantats erstmals in seinem Leben Töne wahrnehmen.
 

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