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27. November 2018

Spitäler setzen auf Social Media

Der Umgang mit Gesundheitsinformationen erfordert besondere Sorgfalt. Spitäler, die Social Media zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit nutzen, haben allerdings die verbreiteten Inhalte nicht immer vollständig unter der eigenen Kontrolle.

In einer aktuellen Untersuchung hat ein Forscherteam der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur die Präsenz der Schweizer Spitäler in den Sozialen Medien analysiert. Dabei erwiesen sich das Online-Netzwerk Facebook, das Karriereportal LinkedIn und der Videokanal YouTube als die am meisten genutzten Social-Media-Kanäle: 93% der Schweizer Spitäler sind auf Facebook vertreten, 66% auf LinkedIn und 58% auf YouTube. Allerdings geht die Präsenz in den Sozialen Medien nicht immer auf einen bewussten Entscheid der Spitalverantwortlichen zurück, wie das Beispiel von Facebook zeigt: Nur 67% der Spitäler betreuen ihre Facebook-Präsenz aktiv; bei weiteren 26% handelt es sich um 'inoffizielle' Seiten, die von der Plattform selbst oder von Personen ausserhalb des Verantwortungsbereichs der Spitalleitung ins Leben gerufen wurden.

Offizielle und inoffizielle Präsenz

Laut Projektleiter Sebastian Früh sollte der hohe Anteil inoffizieller Seiten von den Spitälern nicht ausser Acht gelassen werden: „Es ist bemerkenswert, dass es Facebook-Seiten gibt, auf denen mehrere Hundert Personen die inoffizielle Seite eines Spitals liken, ohne dass das Spital offiziell an diesem Webauftritt beteiligt ist und darauf Einfluss nehmen kann. Ein Spital mag sich über diesen freiwilligen Support freuen, allerdings wird es dadurch auch mit der Herausforderung konfrontiert, dass hier Inhalte gestreut werden können, die nicht im Sinn des Spitals sind und dessen Image negativ beeinflussen.“ Früh rät daher Verantwortlichen von Spitälern, welche bisher nicht aktiv auf Sozial Media vertreten sind, sich mit einer Social-Media-Strategie zu beschäftigen und festzulegen, wie man mit dieser Situation zukünftig umgehen will und welche Inhalte über die Sozialen Medien verbreitet werden sollen.

Kein Platz für Telemedizin

Die über die Social Media vermittelten Inhalte wurden im Forschungsbericht der HTW Chur noch nicht im Detail untersucht. Das soll in einer Folgeuntersuchung geschehen. Vorläufige persönliche Beobachtungen bei der Datenerhebung lassen vermuten, dass Facebook tendenziell für die Verbreitung aktueller Themen wie beispielsweise Hinweise auf aktuelle Info-Veranstaltungen oder bauliche Massnahmen eingesetzt wird, während LinkedIn vorwiegend für Personalrekrutierung und -vernetzung genutzt wird. Auf YouTube wiederum werden gern Inhalte zu Branding-Zwecken von Spitälern hochgeladen. Die Hälfte der insgesamt 59 YouTube-Kanäle im Sample haben zwischen ein und zehn Videos veröffentlicht. Davon haben 13 Kanäle genau ein Video veröffentlicht, meist in Form eines Image-Films. YouTube-Accounts gerade von Spitalgruppen erzielen eine beträchtliche Resonanz (bis zu 37'000 Abonnenten). Es gibt auch Gebiete, bei denen sich Spitäler gezielt zurückhalten, etwa wenn es um individuelle Gesundheitsprobleme oder Medikamenteneinnahme geht. Hier wird ihnen durch den Datenschutz, aber auch durch gesetzliche Regelungen strenge Zurückhaltung auferlegt.

Viele Schweizer #Spitäler sind in den Sozialen Medien vertreten – absichtlich oder unfreiwillig. http://bit.ly/2RhxVnk #iph
Sebastian Früh ist Projektleiter im Forschungsfeld 'Digitale Strategien' an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur
Sebastian Früh ist Projektleiter im Forschungsfeld 'Digitale Strategien' an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur
 

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