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29. November 2018

Schlag gegen Herpesviren

Bei Herpes denkt man zunächst an lästige Bläschen an den Lippen. Doch Herpesviren sind für eine Reihe weiterer Erkrankungen verantwortlich. Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam ist nun einem neuen, körpereigenen Abwehrmechanismus auf der Spur.

Erkrankungen wie Windpocken, Pfeiffersches Drüsenfieber und der als 'Herpes' bekannte Ausschlag an den Lippen verlaufen sehr unterschiedlich, werden aber durch die gleiche Gruppe von Erregern hervorgerufen: die Herpesviren. Wer eine durch Herpesviren verursachte Erkrankung überstanden hat, trägt weiterhin Herpesviren im Körper, diese sind aber für gesunde Menschen nicht mehr schädlich. Der Selbstschutz des Körpers gegen Vireninfektionen geschieht über eine komplexe Reaktion des Immunsystems. Dazu gehört eine bisher unbekannte Abwehrreaktion, die nun ein Forscherteam aus Erlangen (D) und Chicago (USA) entschlüsselt hat. Über ihre Erkenntnisse berichteten die Wissenschaftler jüngst im Fachmagazin 'Nature Microbiology'.

Protein TRIM43

Die Forscher haben körpereigene Proteine entdeckt, die in der Lage sind, die Vermehrung von Viren in den Zellen des infizierter Menschen zu unterbinden (Fachleute sprechen hierbei von einer 'intrinsischen Immunantwort'). Konkret geht es um das Protein mit dem Namen TRIM43. Dieses kann über verschiedene Zwischenschritte die Vermehrung von diversen Arten von Herpesviren hemmen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass TRIM43 von Zellen, die durch Viren angegriffen werden, in grossen Mengen hergestellt wird. In Zellen hingegen, die nicht durch Krankheitserreger attackiert werden, ist das fragliche Protein praktisch nicht nachweisbar.

'Schlafende' Viren aufwecken

Die an der Studie beteiligten Forscherinnen und Forscher hegen die Hoffnung, dass die jüngsten Erkenntnisse neue Behandlungsmöglichkeiten gegen Herpesviren ermöglichen könnten. Dazu die Einschätzung von Dr. Florian Full vom Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen: „Herpesviren verbleiben nach einer durchlittenen Krankheit im Körper, daher kann man von einer Herpesviren-Infektion – ähnlich wie bei einer HIV-Infektion – praktisch nie vollständig geheilt werden. Ein möglicher Ansatz, den man heute unter anderem auch bei HIV diskutiert, ist eine sogenannte 'Kick and kill'- oder 'Shock and kill'-Strategie. Übertragen auf die Herpesviren würde das bedeuten: Man versucht, die im Körper 'schlafenden' Viren aufzuwecken, indem man TRIM43 hemmt. In einem zweiten Schritt wird das 'aufgeweckte' Virus dann mit anderen Medikamenten wie z.B. Aciclovir oder Ganciclovir abgetötet. Auf diesem Weg könnte man die 'schlafenden' Viren aus dem Körper entfernen. Nach dem heutigen Stand des Wissens ist das allerdings noch Zukunftsmusik.“

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat neue Erkenntnisse gewonnen, wie der Körper #Herpesviren abwehrt. http://bit.ly/2RrdxQV #iph
Herpes_Lippe
Herpes ist nicht heilbar, nur eine Symptombehandlung ist möglich, meist mit antiviralen Medikamenten.
 

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