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31. Oktober 2018

Von embryonalen Zellen zu Krebszellen

Ein Forscherteam unter Genfer Leitung hat über umfangreiche genetische Analysen die Ursache von bestimmten Krebstumoren entschlüsselt, die bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren die Bauchspeicheldrüse und die Eierstöcke angreifen.

Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) treten in verschiedenen Formen auf. Eine davon – der muzinös-zystische Tumor – zeigt sich vor allem bei Frau im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Dasselbe gilt für einen anderen muzinösen Tumor, der die Eierstöcke betrifft. Ein schweizerisch-amerikanisches Forscherteam hat nun nachgewiesen, dass beide Tumoren eine gemeinsame Ursache haben. „Am Anfang beider Erkrankungen stehen embryonale Keimzellen. Diese wandern im Embryo in einem noch undifferenzierten Zustand zu den Reproduktionsorganen und können auf dem Weg im Pankreas oder den Eierstöcken hängenbleiben. Werden diese Zellen später im Laufe des Lebens durch Risikofaktoren wie Rauchen 'aufgeweckt', können sie sich in Krebszellen verwandeln und einen muzinösen Tumor hervorrufen“, sagt Dr. Intidhar Labidi-Galy, Forscherin an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf und Ärztin am Genfer Universitätsspital HUG.

Kooperation mit Boston

Über ihre Erkenntnisse haben die beteiligten Forscherinnen und Forscher jüngst im 'Journal of Pathology' berichtet. Den Hauptbeitrag zum Projekt leisteten Personen aus Genf. Dr. Labidi-Galy hatte das Projekt initiiert, als sie in Boston als Postdoc arbeitete, wie Sie erzählt: „Ich habe damals mit Dr. Kevin Elias vom Brighams' and Woman's Hospital (Boston) zusammengearbeitet. Nach meiner Rückkehr nach Genf führte ich gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Petros Tsantoulis die genetischen Analysen durch, die die Grundlage der jüngsten Arbeit bilden. Der ebenfalls in Genf tätige Pathologe Dr. Jean-Christophe Tille unterstützte uns bei der pathologischen Analyse.“

Ansatzpunkt für Krebsmedikament

Das neue Wissen über die Entstehung der erwähnten Tumoren könnte mittelfristig zu neuen Krebstherapien führen, wie Labidi-Galy ausführt: „Unsere genetischen Analysen haben gezeigt, dass diese muzinösen Tumoren in hohem Mass das Protein RHOB exprimieren, das die Krebszellen für eine Klasse von Wirkstoffen (Farnesyltransferase-Hemmer) empfänglich macht, welche heute schon gegen bestimmte Leukämien eingesetzt werden. Wir wollen in einem nächsten Schritt mit Krebszellen in vitro untersuchen, ob muzinöse Tumoren tatsächlich auf Farnesyltransferase-Hemmer ansprechen und auf diesem Weg behandelt werden könnten.“

Embryonale Keimzellen stehen am Anfang von bestimmten Arten von Pankreas- und #Eierstockkrebs, wie ein Genfer Forscherteam zeigt. http://bit.ly/2Dd5ofc #iph
Dr. Intidhar Labidi-Galy
Dr. Intidhar Labidi-Galy forscht am Translational Research Centre im Bereich Onkohämatologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf und praktiziert als Ärztin am Genfer Universitätsspital.
 

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