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6. Dezember 2018

Auf dem Weg zu einer Malaria-freien Welt?

Bei der Bekämpfung von Malaria wurden grosse Fortschritte erzielt, dennoch sind wir von einer Ausrottung der Krankheit noch weit entfernt. Darüber waren sich die Referenten am Parlamentarier-Anlass von Interpharma vom 4. Dezember in Bern einig.

Malaria kann vorgebeugt werden und Malaria ist heilbar. In Entwicklungsländern gehört die Infektionskrankheit jedoch immer noch zu den tödlichsten Krankheiten. «Es gibt keine Erste, Zweite und Dritte Welt, sondern wir leben alle in der gleichen Welt» betont Marcel Tanner, Ex-Direktor Tropeninstitut Basel, zu Beginn der von Katja Gentinetta professionell moderierten Diskussion. Die Schweizer Wirtschaft und wir alle haben ein Interesse, uns im Kampf gegen die Tropenkrankheit verstärkt zu engagieren. Dass sich der Einsatz im Kampf gegen Malaria lohnt, zeigen die erzielten Fortschritte. Die Malaria-bedingte Sterblichkeit konnte zwischen 2000 und 2015 um über 60 Prozent reduziert werden und auch die Infektionsrate konnte weltweit erheblich gesenkt werden. Zurzeit scheint man jedoch an einem Plafond angelangt, respektive die Malariafälle stiegen gemäss dem World Malaria Report 2017 im Jahr 2016 erstmals wieder an. Zu berücksichtigen gilt es jedoch auch, dass die Bevölkerung im gleichen Zeitraum weiter angewachsen ist.

Neue Medikamente dringend benötigt

Nebst der Aufklärung vor Ort, der Versorgung mit Diagnostika, der höheren Akzeptanz und somit dem breiteren Einsatz von Mückennetzen spielen Medikamente eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Malaria. «Die Malariabekämpfung gehört quasi zur DNA von Novartis» erklärt Lutz Hegemann, Development Unit Head, Global Health Novartis, das langjährige Engagement des Konzerns in diesem Bereich. Das 1999 auf den Markt gebrachte und 2009 in einer Formulierung für Kinder lancierte Coartem ist noch immer Standard in der Malaria-Bekämpfung. Es besteht jedoch verstärkt die Gefahr von Resistenzbildung, die sich ausgehend von Kambodscha auf weitere Länder in Südostasien und schliesslich nach Afrika ausbreiten könnte. Umso wichtiger sind Investitionen in die Entwicklung neuer Wirkstoffe, wie sie zum Beispiel Novartis zurzeit tätigt. Aktuelle Ergebnisse einer breit angelegten Studie mit einem neuen Wirkstoff, der in Kombination mit einer neuen, verbesserten Formulierung des etablierten Malariawirkstoffs Lumefantrin getestet wird, stimmen zuversichtlich. Im besten Fall könnte die Therapie in rund fünf Jahren marktreif sein. Lutz Hegemann erwähnt, dass Novartis mit dem langjährigen Engagement gegen Malaria auch eine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen will. Dazu gehört auch, den Zugang der Patientinnen und Patienten zu diesen Medikamenten zu verbessern.

Gemeinsames Engagement wichtig

Klar wird aber im Rahmen der Diskussion auch: Um Krankheiten wie Malaria und weitere vernachlässigte Tropenkrankheiten wirksam zu bekämpfen, braucht es gemeinsame Anstrengungen von Organisationen wie der WHO, der Pharmaindustrie sowie den Regierungen vor Ort, welche bereit sein müssen, in die Gesundheitsversorgung zu investieren und so dazu beizutragen, dass die Bevölkerung von besseren Diagnosemethoden, Medikamenten und Impfstoffen auch tatsächlich profitieren kann.

Es ist nützlich, globale Gesundheitsziele zu formulieren, denn sie können die Richtung vorgeben, in welche es zu arbeiten gilt, betont Marcel Tanner am Anlass. Dies allein reicht jedoch nicht aus. Es braucht vielseitiges Engagement aller Partner in den betroffenen Ländern. Dort muss man Vertrauen aufbauen. Dabei erwähnt er als Beispiel die „village health workers“, ein Projekt zur Ausbildung von „Dorfsamaritern“, an welchem Marcel Tanner während seiner Zeit am Swiss Tropical Institute Field Labor in Tansania mitgewirkt hat. Solche Dorfsamariter wurden in allen Dörfern im Distrikt ausgebildet, während der Distriktarzt nur jene Dörfer besuchte, wo er mit dem Auto hinkam. Manchmal können solche einfachen Massnahmen einen grossen Unterschied ausmachen.

Breites Engagement gegen #Malaria lohnt sich. http://bit.ly/2EiPWyX #iph
Bild: Kampf gegen Malaria
Die Anopheles-Mücken übertragen die Tropenkrankheit Malaria. Diese stellt, in vielen Teilen der Welt, noch immer eine ernsthafte gesundheitliche Bedrohung dar. 
 

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