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10. Dezember 2018

Der Maus ins Hirn geschaut

Ein Forscherteam der ETH Lausanne hat im Rahmen des Blue Brain-Gehirnforschungsprojekts nun einen 3D-Atlas des Mäusegehirns entworfen, der auch medizinische Zwecken dient.

Der neue Zellatlas ermöglicht einen sehr detaillierten Blick in das Gehirn der Nagetiere. Der Atlas enthält Informationen über die wichtigsten Zelltypen, ihre Zahl und Position in allen 737 Gehirnregionen. Die Genauigkeit stellt die bisher verfügbaren Informationen in den Schatten. Der neue Zellatlas sei vergleichbar mit dem Übergang von einer handgezeichneten Landkarte zu digitalen Satellitenbildern, wie sie von Google Earth zur Verfügung gestellt werden, zitiert eine Medienmitteilung der ETH Lausanne (EPFL) einen am Projekt beteiligten Wissenschaftler. Der Atlas wurde kürzlich im Fachmagazin 'Frontiers in Neuroinformatics' vorgestellt.

Ähnlichkeiten und Unterschiede

Interessierte Forscherinnen und Forscher können die Daten aus dem Atlas herunterladen und für ihre wissenschaftlichen Arbeiten verwenden. Sie können diese Informationen brauchen, um neue Erkenntnisse über Aufbau und Funktion des Mäusegehirns zu gewinnen. Der Atlas bietet aber auch wichtige Hilfestellungen für die Erforschung des menschlichen Gehirns, wie EPFL-Wissenschaftler Dr. Csaba Erö sagt: „Gemessen an der Zahl der Nervenzellen ist das Mäusehirn zwar 1000 mal kleiner als ein menschliches Gehirn. Sein hierarchischer Aufbau ist dem Menschenhirn allerdings überraschend ähnlich, denn die meisten Regionen des Mäusehirns sind auch beim Menschen vorhanden, etwa der Thalamus oder der Hippocampus. Funktional hingegen sind die beiden Gehirne sehr unterschiedlich, etwa wenn es um das Verhalten geht. Es wäre daher sehr interessant herauszufinden, wie die Unterschiede im Aufbau die Unterschiede bei der Funktion beeinflussen – diese Fragestellung ist ein Heiliger Gral der Neurowissenschaften.“

Auswirkungen möglicher Wirkstoffe

Der Zellatlas ist eine Datenbank, die in Zukunft ständig mit neuen Daten ergänzt und so noch aussagekräftiger gemacht werden wird, wie Csaba Erö sagt: „Bislang bietet der Zellatlas einen Überblick über die zelluläre Zusammensetzung des Mäusehirns. Dabei beschränkt sich der Atlas auf die wichtigsten Nervenzellen, etwa Gliazellen oder stimulierende und inhibierende Nervenzellen. In Zukunft wird der Atlas mehr und mehr verfeinert werden, um weitere Einzelheiten über diese Zellen einzubeziehen. Wenn wir vielleicht einmal die Auswirkungen verschiedener Wirkstoffe auf diese Zelltypen kennen, sollte es möglich werden, den Inpact dieser Zellen auf die spezifische Gehirnregion vorherzusagen.“

Ein neuer #Zellatlas der ETH Lausanne gewährt einen ausserordentlich detaillierten Blick ins Mäusehirn. http://bit.ly/2RMAiyF #iph
Blick in den neuen Zellatlas des Mäusegehirns.
Blick in den neuen Zellatlas des Mäusegehirns.

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