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12. Dezember 2018

Gehirntumoren wegbrennen

Mit einem neuartigen Verfahren – der stereotaktischen Laserablation – lassen sich Gehirntumoren mittels Hitze quasi wegbrennen. Chirurgen des Unispitals Zürich haben das Verfahren erstmals in der Schweiz bei zwei Patienten erfolgreich eingesetzt.

Krebstumoren werden gemeinhin mit chemotherapeutischen Wirkstoffen bekämpft oder operativ entfernt. Chirurgische Eingriffe sind auch bei Gehirntumoren gängig, allerdings ist dieses Verfahren bei Geschwüren, die tief im Gehirn sitzen, aufwändig und risikoreich. Für solche tiefsitzenden Tumoren steht seit einigen Jahren ein alternatives Verfahren zur Verfügung. Hierbei wird das Tumorgewebe mittels Laserkatheter, der durch eine kleine Öffnung ins Gehirn eingeführt wird, erhitzt und so unschädlich gemacht. Neurochirurgen des Universitätsspitals Zürich (USZ) haben dieses Verfahren – die stereotaktische Laserablation – nun bei zwei Krebspatienten erfolgreich eingesetzt, wie das USZ kürzlich in einer Medienmitteilung mitteilte. Das Verfahren wird in den USA seit 2007 angewandt und ist seit kurzem auch in Europa einschliesslich der Schweiz zugelassen.

Bis zu 90% vernichtet

„In den USA wurde das chirurgische Verfahren bisher bei der Behandlung von Epilepsiepatientinnen und -patienten eingesetzt, aber auch zur Entfernung von tief sitzenden Gehirntumoren herangezogen“, sagt PD Dr. med. Oliver Bozinov, stellvertretender Leiter der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsspital Zürich. Die stereotaktische Laserablation kann dann eingesetzt werden, wenn der Tumor klar abgegrenzt und nicht grösser als zwei Zentimeter ist. „In diesen Fällen können wir das krankhafte Gewebe um 50 bis 90% abtöten“, sagt Bozinov. „Hirntumoren (Gliome) sind zwar auch mit dem neuen Verfahren nicht heilbar, aber wir verbinden damit die Hoffnung, für die Patientinnen und Patienten Zeit zu gewinnen.“

Ergänzung zu Medikamenten

Mit dem eingesetzten Laserkatheter können die Chirurgen sehr genau steuern, welche Gewebestellen zerstört werden. Das Verfahren ist nach Auskunft der Ärzte auch schonend; die behandelten Personen können das Spital bereits am Tag nach dem Eingriff wieder verlassen. Ein Anwendungsfall für das neue Verfahren ist beispielsweise auch dann gegeben, wenn das Gehirn nicht vom Haupttumor betroffen ist, sondern von einer Tochtergewulst (Metastase), wie Oliver Bozinov sagt: "Verschiedene Formen von Hautkrebs (Melanome) können heute sehr gut mit Medikamenten behandelt werdeen. Wenn ein solcher Tumor im Gehirn Ableger bildet, erreichen die eingesetzten Medikamente die Metastasen mitunter nicht mehr. Hier bietet unser neues Verfahren eine gute Ergänzung, um die Krebserkrankung im Gehirn zu bekämpfen."

Mit einem neuen neurochirurgischen Verfahren lassen sich kleine, tief sitzende Tumoren im #Gehirn quasi verbrennen. http://bit.ly/2ErwP5t #iph
Gehirntumore_Magnetresonanztomograph
Zur Vorbereitung der Tumoroperation werden erste Messungen im Magnetresonanztomographen (MRI) gemacht.
 

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