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14. Dezember 2018

Ein Hebel gegen Psychosen

Traumatische Erlebnisse in der Kinderheit können bei den betroffenen Personen später zu schwerwiegenden psychischen Störungen führen. Eine Gruppe von Waadtländer Wissenschaftlern ist nun einem neuen Behandlungsansatz auf der Spur.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit gehen beispielsweise auf emotionale Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlung zurück. Die betroffenen Kinder entwickeln im späteren Lebensalter dann oft psychische Störungen, die mit einer beeinträchtigten Wahrnehmung der Wirklichkeit einhergehen (Pyschosen). Zwei Forscherteams der Fakultät für Biologie und Medizin der Universität Lausanne und des Waadtländer Universitätsspitals CHUV in Lausanne sind nun bestimmten Stoffwechselvorgängen auf der Spur, die in der Zukunft möglicherweise so beeinflusst werden können, dass damit die Entstehung von Psychosen bei kindlichen Traumata eingedämmt wird, wie die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift PNAS berichtet haben.

Blutproben von Patienten mit kindlichem Trauma

Die beiden Forscherteams um Prof. Kim Do und Prof. Philippe Conus stützten ihre Untersuchung auf eine Gruppe von rund Hundert Patientinnen und Patienten, die sich in der Frühphase einer Psychose befinden. Ein besonderes Augenmerk richteten die Wissenschaftler auf jene rund 25% der Personen, welche in ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen machen mussten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschafler nahmen bei diesen Personen Blutproben und untersuchten das sogenannte Redox-System, das in den Zellen den Sauerstoff-Stoffwechsel reguliert. Dabei entdeckten sie einem bemerkenswerten Zusammenhang: Bei den Patienten, bei denen das Redox-System aus dem Gleichgewicht geraten war, litten in stärkerem Mass an klinischen Merkmalen einer Psychose. Die Personen verfügten über ausgeprägtere kognitive Defizite und das Volumen ihres Hippocampus' – eine Gehirnregion, die für das Gedächtnis wichtig ist – war kleiner.

Möglicher Wirkstoff

Bisher hat die Wissenschaft keine Erklärung, warum kindliche Traumata das Redox-System in den Zellen aus dem Lot bringt. Die Lausanner Forscher haben die Hoffnung, den neu entdeckten Mechanismus in Zukunft therapeutisch nutzen zu können, wie Kim Do sagt: „In einer 'Proof of concept'-Studie haben wir gezeigt, dass die antioxidative Substanz N-acetyl cysteine (“Fluimucil”) das Redox-Ungleichgewicht reduziert und kognitive Störungen lindert, wenn sie Patienten in der chronischen Phase oder während der ersten psychotischen Episode verabreicht wird. Man kann daher spekulieren, dass es für die betroffenen Personen vorteilhaft wäre, wenn der Stoff in der Zeit der Trauma-Exposition gegeben wird.“ Kim Do und ihre Forscherkolleginnen und -kollegen haben ferner einen Blutmarker gefunden, der eine Vorhersage erlaubt, welche Patienten von einer Behandlung mit N-acetyl cysteine profitieren würden.

Ein Forscherteam aus Lausanne hat einen Stoffwechselprozess entdeckt, über den sich #Psychosen möglicherweise eindämmen lassen. http://bit.ly/2RXTtWr #iph
Prof. Kim Do, Professorin an der 'Faculté de biologie et de médecine' der Universität Lausanne und Leiterin des Zentrums für Psychiatrische Neurowisenschaften am Waadtländer Universitätsspital CHUV
Prof. Kim Do, Professorin an der 'Faculté de biologie et de médecine' der Universität Lausanne und Leiterin des Zentrums für Psychiatrische Neurowisenschaften am Waadtländer Universitätsspital CHUV

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