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17. Dezember 2018

Public Health in einem Satz

Wie lässt sich der Gesundheitszustand der Einwohner eines Landes möglichst zuverlässig beschreiben? Beispielsweise, indem man die Menschen nach ihrem Gesundheitszustand befragt. Dafür genügt mitunter auch schon eine einzige Frage.

Um den Gesundheitszustand der in einem Land lebenden Menschen zu erfassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die naheliegendste ist vermutlich, möglichst viele Gesundheitsdaten von Ärzten, Spitälern und Gesundheitsstudien zusammenzutragen und auszuwerten. Ein anderer Weg besteht in Befragungen, denn schliesslich können Menschen selber am besten Auskunft geben, wie es ihnen geht. Damit solche Befragungen zu aussagekräftigen Ergebnissen führen, müssen sie sehr umfangreich und detailliert sein, würde man denken. Dies ist aber nicht unbedingt der Fall, wie ein Forscherteam der Universität Genf nun zusammen mit Kolleginnen und Kollegen des 'Institute of Development Studies' in Kalkutta (Indien) in einer Studie zeigt, die in der Fachzeitschrift 'BMJ Global Health' veröffentlicht wurde.

Eine einzige Frage

Das Wissenschaftlerteam machte die Probe aufs Exempel und bat Menschen in Indien, ihren Gesundheitszustand zu beschreiben, indem sie nicht einen ganzen Fragebogen ausfüllten, sondern auf eine einzige Frage antworteten: „Wie würden Sie ihren Gesundheitszustand beschreiben?“ („What would you say about your health status?“). Diese Frage kommt in Gesundheitsbefragungen in Europa oder den USA oft zur Anwendung, und die Befragten können dann mit „Sehr gut“ „Gut“ „Durchschnittlich“ „Schlecht“ und „Sehr schlecht“ antworten. Ob diese Frage auch in Ländern wie Indien sinnvoll ist, war bisher zweifelhaft, denn es war unklar, ob in einem Land, in dem Armut, Krankheiten und Defizite in der medizinischen Versorgung mitunter zur Normalität gehören, eine adäquate Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes überhaupt möglich ist.

Beitrag zur besseren Gesundheitsversorgung

Die schweizerisch-indische Studie zeigt nun: Die Selbstauskünfte der befragten Person aus Indien stimmen sehr gut mit den verfügbaren objektiven Gesundheitsstatistiken des Landes überein. „Die Übereinstimmung ist in Indien sogar grösser als in der Schweiz“, sagt Dr. Stéphane Cullati, Forscher am Institut für soziologische Forschung der Universität Genf. Die Ergebnisse der Studie könnten die indischen Behörden überzeugen, dass es auch in ihrem Land zielführend ist, die oben genannte Frage nach dem Gesundheitszustand in Befragungen zur öffentlichen Gesundheit zu nutzen, betonen die Genfer Forscher. Solche Befragungen leisteten letztlich einen Beitrag zur Beobachtung von Krankheiten und damit zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit, ist Claudine Burton-Jeangros, Professorin an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Genf, überzeugt: „Das ist wichtig, denn Indien kämpft nicht nur mit Infektionskrankheiten, sondern sieht sich zugleich mit einer starken Zunahme chronischer Krankheiten konfrontiert.“

Mit einer einzigen Frage erfährt man viel über die öffentliche #Gesundheit, bestätigt ein Genfer Forschungsprojekt. http://bit.ly/2EoLo9e #iph
Stéphane Cullati_Gesundheitsbefragung Indien
Dr. Stéphane Cullati, Forscher am Institut für soziologische Forschung der Universität Genf.

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