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19. Dezember 2018

Leukämie-Rückfälle vorbeugend vermeiden

Die Akute myeloische Leukämie (AML) ist die verbreitetste Form von Blutkrebses. Ein deutsches Forscherteam hat nun einen Weg gefunden, Rückfällen vorbeugend durch eine Chemotherapie entgegenzuwirken.

Die Akute myeloische Leukämie (AML) ist die verbreitetste Form von Blutkrebs. Trotz verbesserter Behandlungsmöglichkeiten kommt es oft zu Rückfällen. Ein deutsches Forscherteam hat nun einen Weg gefunden, Rückfällen vorbeugend durch eine Chemotherapie entgegenzuwirken.

(text) Dank neuer Medikamente lässt sich Blutkrebs vom Typ AML immer besser behandeln, dies insbesondere bei Patientinnen und Patienten bis zum Alter von ca. 70 Jahren. Bei rund zwei Dritteln dieser Patienten können die Krankheitssymptome mit einer Chemotherapie ganz zum Verschwinden gebracht werden. Leider ist der Behandlungserfolg aber oft nicht nachhaltig: Fast bei jeder zweiten Person kehrt der Blutkrebs zurück. Hier ebnen Krebsexperten der Universitätskliniken Leipzig und Dresden nun den Weg zu einer besseren Therapie: In einer neuen Studie zeigen sie, wie sich eine Rückkehr der Krebserkrankung vorhersagen und durch eine spezielle Therapie vermeiden bzw. verzögern lässt. Über ihre Erkenntnisse berichten sie in der Fachzeitschrift 'Lancet Onkology'.

Tumorspuren analysiert

Wie aber lässt sich erkennen, dass eine Rückkehr des Blutkrebses droht? Dies gelingt, indem Molekularbiologen in regelmässigen Abständen im Blut die Menge von kleinsten Tumorspuren bestimmen, die trotz erfolgreicher Erstbehandlung im Körper verblieben sind bzw. sich dort neu bilden. "Es gibt heute sehr sensitive Verfahren zu Bestimmung der Tumorspuren, der sogenannten minimalen residuellen Resterkrankung (MRD). Die Analysen sind so empfindlich, dass man damit eine einzige Krebszelle, die sich zwischen einer Million gesunder Zellen versteckt, findet", sagt Prof. Uwe Platzbecker, Direktor der Medizinischen Klinik I (Hämatologie und Zelltherapie) am Universitätsklinikum Leipzig. "Im Zuge der jüngsten Studie haben wir das Verfahren zur Bestimmung der MRD erstmals prospektiv eingesetzt: Wir schätzten damit die Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr des Blutkrebses ab – und begannen bei den Patienten, wo eine Rückkehr drohte, vorbeugend mit einer Chemotherapie." Auf diesem Weg ist es den Wissenschaftlern um Prof. Platzbecker gelungen, die Rückkehr des Blutkrebses zu vermeiden oder aufzuschieben.

Bei jedem zweiten Patienten erfolgreich

In die Studie waren 200 AML-Patienten einbezogen worden. Bei mehr als der Hälfte der Personen konnte ein Rückfall verhindert oder um mehr als sechs Monate verzögert werden. Die vorbeugende Behandlung besteht aus einer sogenannten epigenetischen Chemotherapie, bei der die Gene von Krebszellen 'ausgeschaltet' und so die Tumoren abgetötet werden. Mit dieser ambulant durchgeführten und gut verträglichen Behandlung werden Leukämiezellen zu einem Zeitpunkt bekämpft, zu dem sie unter dem Mikroskop noch nicht sichtbar, mit molekulargenetischen Methoden aber nachweisbar sind. Dabei kommt der Wirkstoff Azacytidin zum Einsatz, der sonst als Krebsmedikament zur Ersttherapie bei älteren AML-Patienten von über 70 Jahren benutzt wird. Besonders erfolgreich war das Verfahren bei Patienten, die bei der Erstbehandlung der Leukämieerkrankung eine Knochenmarktransplantation erhalten hatten.

Die Rückkehr des #Blutkrebses bei AML-Patienten lässt sich mit einer vorbeugenden Behandlung vermeiden bzw. verzögern, zeigt ein deutsches Forscherteam. http://bit.ly/2Cn8c7W #iph
Prof. Uwe Platzbecker, Leukämieexperte am Universitätsklinikum Leipzig
Prof. Uwe Platzbecker, Leukämieexperte am Universitätsklinikum Leipzig
 

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