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21. Dezember 2018

Drohgeräusche schlagen im Hirn Alarm

Wenn Menschen in ihrer Umgebung ein Geräusch wahrnehmen, das bedrohlich wirkt, unterzieht das Gehirn dieses akustische Signal blitzschnell einer gründlichen Gefahrenanalyse. Das konnte ein Forscherteam der Universität Genf in einer Studie nachweisen.

Wenn Menschen in eine bedrohliche Situation geraten, reagiert das Gehirn mit besonderer Aufmerksamkeit auf die von aussen kommenden Gefahrensignale. Diese Wahrnehmungstheorie haben Gehirnforscher bisher vor allem durch Experimente mit visuellen Reizen überprüft und auch bestätigt. Ein Forscherteam der Universität Genf um die Psychologen Dr. Nicolas Burra und Prof. Leonardo Ceravolo (beide Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften) hat nun untersucht, ob das Gehirn auch auf akustische Reize mit Drohcharakter mit erhöhter Aufmerksamkeit reagiert. Über ihre Befunde berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Social, Cognitive and Affective Neuroscience'.

35 Testpersonen reagieren auf Stimmproben

Die Forscher spielten 35 Testpersonen über Lautsprecher 22 kurze Stimmproben von jeweils 600 Millisekunden Länge vor. Die Stimmproben brachten drei verschiedene emotionale Tonlagen zum Ausdruck: Drohung, Freude, neutral. Während des Versuchs wurde mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnaktivität der Testpersonen mit einer Genauigkeit von einer Millisekunde gemessen. Mit dieser Versuchsanordnung konnten die Wissenschaftler unter Einbezug von zwei elektrophysiologischen Markern für die akustische Wahrnehmungsverarbeitung (N2ac, LPCpc) empirisch nachweisen, dass das Gehirn bedrohliche Stimmen einige Millisekunden länger analysiert als Stimmen mit einem neutralen oder einem glücklichen Unterton.

Potenzial für psychiatrische Anwendungen

Die Genfer Wissenschaftler interpretieren die gewonnenen Erkenntnisse als Beleg, dass das menschliche Gehirn durch die Evolution trainiert ist, akustische Gefahrensignale schnell und zuverlässig zu analysieren, um das Überleben der Menschen zu sichern. Die Resultate könnten auch aus medizinischer Sicht relevant werden, sagt Nicolas Burra, Co-Autor der Untersuchung: „Wir haben in unsere Studie nur gesunde Testpersonen mit einbezogen, doch könnte dieses Experiment sehr nützlich sein, um die Rolle von räumlicher Aufmerksamkeit bei Personen mit Angststörungen besser zu verstehen.“ Die Ergebnisse könnten es laut Burra auch möglich machen, mittels der Marker N2ac und LPCpc die Ursachen von pathologischem Verhalten besser zu verstehen.

Das #Gehirn nimmt akustische #Drohsignale besonders stark war, zeigt ein Genfer Forscherteam in einer neuen Studie. http://bit.ly/2CqoJYG #iph
Eine Studienteilnehmerin, ausgerüstet mit einem EEG zur Erfassung der Gehirnströme
Eine Studienteilnehmerin, ausgerüstet mit einem EEG zur Erfassung der Gehirnströme
 

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