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20. März 2019

Engagement bis auf die Spitze (1/2)

Zwischen Zellen und Zermatt – Prof. Bettina Borisch kennt das Thema Krebs sowohl durchs Mikroskop als auch in seiner gesellschaftlichen und politischen Relevanz. Public Health ist für sie nicht nur Beruf, sondern Berufung.

Gut gelaunt, top gestylt und vor allem mit einer Extraportion Motivation und Wissen empfängt uns Prof. Bettina Borisch in ihrem Büro auf dem modernen Biotech-Campus der Universität Genf. Über zehn Jahre lang hat sie das Institut für klinische Pathologie geleitet. Der stetige Begleiter ihrer beeindruckenden und facettenreichen Karriere? «Ich habe Krebs sozusagen unter dem Mikroskop kennengelernt», beginnt sie zu erzählen. Im Rahmen ihrer Arbeit als Pathologin und später in Zusammenarbeit mit der Schweizer Krebsliga entdeckte sie dann ihre Leidenschaft für den Public Health-Bereich. Kurzerhand wurde sie Präsidentin des Früherkennungsprogramms «Brustkrebs» der Schweizer Krebsliga. «Zugegeben – ich stellte damals fest, dass meine Kenntnisse seit dem Medizinstudium und durch die Jahre in der Pathologie im Bereich Public Health ein bisschen verblasst waren», erinnert sie sich. Deshalb bildete sie sich berufsbegleitend mit einem Master in Public Health weiter. Seit 2005 konnte sie ihre Professur an der Universität Genf auf Public Health ummünzen und ist  heute am «Institut for Gloabl Health» tätig. Aber was versteht man eigentlich genau unter Public Health? Prof. Borisch erklärt es so:

«Public Health ist die Wissenschaft und die Kunst davon, allen Menschen ein Leben in Gesundheit und Frieden zu ermöglichen».

Für dieses Ziel arbeitet sie hart: «Ich habe gemerkt, dass ich in meinem kurzen Leben im Public Health-Bereich – also besonders in der Früherkennung und der Vorsorge – einfach mehr erreichen kann, als am Ende der Kette in der Diagnostik.»

Facettenreiches Krebswissen

Die Erfahrungen aus der Pathologie und der Diagnostik will sie trotzdem nicht missen. Sie sind Grundlage für die zahlreichen Tätigkeiten von Prof. Borisch im Bereich Brustkrebs, die so vielseitig sind, wie der Krebs selbst. So setzt sie sich auch auf europäischer Ebene in wichtigen Arbeitsgruppen für das Thema Brustkrebs ein und engagiert sich aktiv für verschiedene Patientenorganisationen, wie zum Beispiel das Forum Europa Donna Schweiz, das sie selbst gegründet hat. Die Organisation setzt sich aus Brustkrebsbetroffenen, Ärztinnen, Politikerinnen und weiteren Persönlichkeiten zusammen und hat das Ziel, allen Frauen in der Schweiz Zugang zu optimaler Früherkennung, Behandlung und Nachsorge bei Brustkrebs zu ermöglichen.

Brennende Themen

Laut Prof. Borisch befinden sich Gesundheitssysteme überall auf der Welt in einem grossen Wandel. «Dies, weil wir neue technische Möglichkeiten, die sich zum Beispiel aus der Forschung ergeben, mit einem sozial verträglichen System in Einklang bringen müssen», erklärt sie. Wie dringend diese Veränderungen sind, zeigen beispielsweise die Demonstrationen in Genf gegen die Erhöhung der Krankenkassenprämien. «Das ist Politik vom Feinsten», so Borisch, gehe es doch um Verteilungsgerechtigkeit und Ungleichheiten. Das zeigt: Das Thema Gesundheit ist in den Köpfen angekommen und mache sich nicht zuletzt an der gewandelten Rolle des Patienten bemerkbar. Der Patient von heute ist nicht mehr «patient», sondern selbst aktiv und informiert. Zusätzlich hat er durch verschiedene Abkommen mit der EU die Möglichkeit, sich in anderen EU-Ländern behandeln zu lassen. «Wir leben in einer Welt, in der nicht nur Forscher international unterwegs sind, sondern auch Patienten.»

«Es gibt keinen Schweizer Brustkrebs»

Die Beziehung Schweiz – Europa und besonders das Forschungsabkommen sei dabei nicht nur für Patienten zentral. «Es ist für uns extrem wichtig, in einem grossen, internationalen Forschungsnetzwerk zu bleiben», erzählt sie. «Die Vorteile des Austauschs für Forschende und Studierende sind enorm.» Auch Kooperationen wie Horizon2020 treiben die Krebsforschung voran und stärken langfristig den Forschungsstandort Schweiz. Brustkrebs ist ein weltweites Problem und muss gemeinsam angegangen werden. «Ich denke, dass der gesamte Gesundheitsbereich von Forschung bis Pflege und Therapie leidet, wenn man beginnt Mauern zu bauen», so Borisch. «Wir wissen aus der Geschichte, dass Mauern gegen Krankheiten nicht helfen.» Wenn politische Rahmenbedingungen instabil werden, wandern Fachkräfte ab. Am Beispiel Grossbritannien und dem Brexit ist dies bereits jetzt zu beobachten. «Soweit dürfen wir es in der Schweiz nicht kommen lassen.»

Der zweite Teil des Interviews finden Sie hier.

Welchen Herausforderungen man im Bereich #PublicHealth begegnet und was das Ganze mit einer #Wanderung auf das Breithorn in Zermatt zu tun hat, erfahren Sie im Interview mit Frau Prof. Borisch. (Teil 1/2) http://bit.ly/2JsVfiu #iph
Prof. Borisch an der Universität Genf
Prof. Borisch an der Universität Genf
 

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