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7. Januar 2019

Energie gekappt, Krebs eliminiert

Auf welchem Weg entfalten medizinische Wirkstoffe im Körper ihre heilende Wirkung? Für eine neue Krebstherapie haben Basler Forscher nun eine Antwort gefunden.

Oft sind es neue Medikamente, die bei einer Erkrankung eine bessere Behandlung möglich machen. Bisweilen sind es aber auch bereits bekannte Arzneimittel, die einen Nutzen entfalten bei einer Krankheit, bei der sie bislang nicht eingesetzt wurden. „Die Verwendung bekannter Wirkstoffe für eine neue Indikation in der Krebsbehandlung ist ein relativ junger Trend. Dieser Ansatz war bereits bei verschiedenen Krebsarten erfolgreich, zum Beispiel beim Einsatz des Schlafmittel-Arzneistoffs Thalidomid für die Behandlung der Krebserkrankung Multiples Myelom“, sagt Dr. Don Benjamin, Forscher in der Gruppe von Prof. Michael N. Hall am Biozentrum der Universität Basel. Ein anderes Beispiel eines wirksamen Krebswirkstoffs ist die Kombination des Blutdrucksenkers Syrosingopin mit dem Diabetes-Medikament Metformin, wie ein Wissenschaftlerteam des Biozentrums vor zwei Jahren zeigen konnte.

Krebszelle in 'Selbstmord' getrieben

In einer neuen Untersuchung konnte Dr. Don Benjamin nun mit Kolleginnen und Kollegen zeigen, auf welchem Weg die Kombitherapie aus Metformin und Syrosingopin gegen Krebs wirkt: Die Wirkstoffe haben die Fähigkeit, die Energieproduktion in den Tumorzellen zu blockieren. Dadurch kommt es zu einer Unterversorgung mit Energie, welche die Zellen in den 'Selbstmord' (Apoptose) treibt. Anknüpfungspunkt für beide Medikamente ist das Molekül NAD+, welches eine Schlüsselrolle bei Umwandlung von Nährstoffen in Energie spielt. Beide Medikamente entfalten ihre Wirkung dabei aber auf unterschiedliche Weise. Besonders bemerkenswert: Das Arzneimittel Syrosingopin – von der Basler Ciba im Jahr 1958 gegen Bluthochdruck entwickelt – wirkt auf einem Weg, auf dem sonst kein anderer Krebswirkstoff aktiv ist. Über ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jüngst in der Fachzeitschrift 'Cell Reports' berichtet.

Gegen verschiedene Tumorarten

Die Verbindung der beiden Medikamente hat für die Behandlung von Krebserkrankungen durchaus Potenzial, wie Dr. Benjamin sagt: „Die Kombination von Syrosingopin und Metformin ist gegen Krebszelllinien unterschiedlicher Gewebearten wirksam, wie wir an Zellkulturen nachweisen konnten. Ein Kombi-Wirkstoff dürfte somit ein breites Anwendungsgebiet haben.“ Ob Patientinnen und Patienten einmal von einer neuartigen Behandlung profitieren können, ist zur Zeit noch offen. Der nächste Schritt wäre nun die Bestätigung der bisherigen Forschungsergebnisse in klinischen Studien. Solche sind nach Auskunft von Dr. Benjamin bisher noch nicht im Gange.

Basler Forscher zeigen, wie ein #Blutdrucksenker und ein #Diabetes-Medikament gemeinsam gegen #Krebs wirken. http://tinyurl.com/y6gr9vkc #iph
Krebszelle unter dem Rasterelektronenmikroskop
Krebszelle unter dem Rasterelektronenmikroskop

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