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11. Januar 2019

Neue Massstäbe bei der Qualitätsmessung (1/2)

ICHOM heisst das Stichwort zur neuen Qualitätsmessung im Universitätsspital Basel (USB). Was es damit auf sich hat, erzählt Dr. Florian Rüter, Leiter Qualitätsmanagement USB, im zweiteiligen Interview.

Qualität statt Quantität im Gesundheitswesen lautet die Devise von Harvard-Professor Michael E. Porter. Mit dem Ziel Behandlungsergebnisse von Patienten weltweit nach einem standardisiertem Verfahren zu messen, hat er gemeinsam mit dem Karolinska Institut in Schweden und der Boston Consulting Group die Non-Profit-Organisation International Consortium for Health Outcomes Measurement (ICHOM) gegründet und Fragebogen zur patientenbezogenen Qualitätsmessung entwickelt. Inzwischen gibt es 27 sogenannte Standardsets für verschiedene Krankheitsbilder, die über 50% der weltweiten Gesundheitskosten abbilden. Statt die Qualität der Behandlung nur über Fallzahlen, Patientenzufriedenheit und Prozesse zu messen, wird mit der ICHOM-Messung der langfristige Patientennutzen in den Vordergrund gestellt.

Das Universitätsspital Basel (USB) wendet als erstes Spital in der Schweiz die neue patientenbezogene Messmethodik an. Im zweiteiligen Interview stellt Dr. Florian Rüter, Leiter Qualitätsmanagement USB, die Messung vor und erzählt, welche Erfahrungen das USB damit gemacht hat.

Herr Rüter, weshalb hat das Universitätsspital Basel die standardisierten Fragebogen des ICHOM zur Qualitätsmessung eingeführt?

Ziel unserer Strategie ist es, von einem volumen-basierten zu einem werte-basierten Gesundheitssystem zu gelangen. Dies bedeutet den Wert der Behandlung gemessen am Patientennutzen in den Mittelpunkt zu stellen («Value Based Healthcare»). Und wer kann den Nutzen einer Behandlung besser beurteilen als der betroffene Patient? Um eine individuelle, nationale und internationale Vergleichbarkeit, das sogenannte Benchmarking zu ermöglichen, wurde das International Consortium for Health Outcomes Measurement (ICHOM), eine unabhängige Non-Profit-Organisation, gegründet. Ziel ist es eine international standardisierte, gemeinsam von Fachexperten unter Beizug von Patienten erstellte Messmetrik zu entwickeln.

Worin unterscheidet sich diese Befragung von anderen Qualitätsmessungen?

Wir wissen beispielsweise, dass die 5-Jahres-Überlebensrate nach Behandlung des Prostata-Karzinom in Mitteleuropa deutlich über 90% liegt, es jedoch dramatische Unterschiede bei den für die Lebensqualität entscheidenden Faktoren wie Inkontinenz und erektiler Dysfunktion gibt. Hier gilt es genauer hinzuschauen, manchen «blinden Fleck» in der rein medizinisch-ärztlichen Betrachtungsweise mit der – entscheidenden – Sicht der Patienten zu füllen. Neu werden daher neben klassischen Qualitätsparametern standardisiert Werte abgefragt, die für unsere Patienten entscheidend sind aber bisher kaum oder gar nicht Gegenstand von Befragungen waren.


Dr. Florian Rüter ist Leiter des Qualitätsmanagements im Universitätsspital Basel.


 

Der #Patientennutzen steht im Zentrum von #ICHOM. Welche Erfahrungen das #USB mit der neuen #Qualitätsmessung gemacht hat, erfahren Sie im zweiteiligen Interview. @UniSpitalBasel @santeneXt http://bit.ly/2FnM0wu #iph
Das Universitätsspital Basel setzt neue Massstäbe in der Qualitätsmessung
Das Universitätsspital Basel setzt neue Massstäbe in der Qualitätsmessung

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