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18. Januar 2019

Neue Massstäbe bei der Qualitätsmessung (2/2)

Das Universitätsspital Basel (USB) ist hinsichtlich Qualitätsmessung ein Pionier in der Schweiz. Im zweiteiligen Interview stellt Dr. Florian Rüter die neue Messmethode vor und erzählt, welche Erfahrungen das USB damit gemacht hat.

Fortsetzung des Interviews mit Dr. Florian Rüter zur ICHOM-Qualitätsmessung im Universitätsspital Basel.

Herr Rüter, wie läuft die Befragung im Universitätsspital Basel ab?

Nach entsprechender Vorinformation durch eine Fachperson - Ärztin/Arzt, Pflegefachkraft, Studienfachperson - erfolgt die Basisbefragung über iPads, die den Patienten beim Ambulanzbesuch oder stationären Aufenthalt im USB zur Verfügung gestellt werden. Die eingegebenen Daten stehen im Anschluss optisch aufgearbeitet zur Verfügung und können dann unmittelbar in ein (ärztliches) Fachgespräch einfliessen. Sofern die Folgebefragungen nicht im Rahmen von Ambulanzbesuchen am USB durchgeführt werden, können diese nach E-mail Benachrichtigung auch von zu Hause aus eingegeben werden.

Welche Erfahrungen hat das Universitätsspital Basel mit der neuen Messung gemacht?

Die Patientenbezogene Ergebnismessung («Patient Reported Outcome Measures, kurz PROMs») am Universitätsspital Basel wurde bis anhin sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von Ärzten und Pflegefachpersonen sehr positiv aufgenommen. Da der Einschluss der ersten Patientinnen und Patienten im 4. Quartal 2017 erfolgte, braucht es nun etwas Geduld, bis belastbare mehrjährige Datenverläufe zur Verfügung stehen. Einzelne Kliniken, die konsequent auf diese Messmetrik im Rahmen der Behandlung ihrer Patienten setzen (z.B. Martini-Klinik, Hamburg) konnten exemplarisch beeindruckende Erfolge hinsichtlich ihrer Behandlungsqualität erzielen.

Welchen konkreten Nutzen haben die Patienten aufgrund der neuen Befragung?

Zum einen können Daten, die vor einer ärztlichen Konsultation im ambulanten Bereich erhoben werden, unmittelbar im Arzt-Patienten-Gespräch genutzt werden. Durch Fokussierung auf wesentliche, für die Patienten wichtige Bereiche, können unauffällige Routinefragen ausgespart und somit Zeit für die Bearbeitung der jeweiligen Problematik gewonnen werden. Mit zunehmenden Daten erhoffen wir zudem, den Patienten eine bessere Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung für eine bestimmte Therapie im Sinne eines «shared decision making» anbieten und damit unseren Service weiter verbessern zu können. Durch Auswertung der Daten im Langzeitverlauf können bei onkologischen Erkrankungen auch Therapieentscheidungen abgeleitet werden, die bei einzelnen onkologischen Krankheitsbildern zu einem signifikant besseren Überleben von Patienten geführt haben, die an einer derartigen Befragung teilgenommen haben. Ziel des «Werte-basierten Gesundheitswesens» ist es, nur noch sinnvolle/notwendige Therapien/Eingriffe durchzuführen und damit das Gesundheitssystem von der durch Fallpauschalen «fehl-incentivierten» Überversorgung zu entlasten. 

Dr. Florian Rüter ist Leiter des Qualitätsmanagements am Universitätsspital Basel.

Standardisierte #Fragebogen zur #Qualitätsmessung stellen den #Patientennutzen am Universitätsspital Basel in den Vordergrund. @UniSpitalBasel @santeneXt http://bit.ly/2DfdwdS #iph
Die standardisierte ICHOM-Messung stellt den Patientennutzen in den Vordergrund
Die standardisierte ICHOM-Messung stellt den Patientennutzen in den Vordergrund
 

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