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23. Januar 2019

Antibiotika von bisher unentdeckten Bakterien

Rund 50 000 Arten von Bakterien sind bisher bekannt. Wissenschaftler nehmen an, dass auf der Erde noch viel mehr Bakterienarten existieren. Diese bisher unentdeckten Mikroben könnten die Menschen auf die Spur von bisher unbekannten Antibiotika führen

Trotz der grossen Zahl an Bakterien, die bisher bekannt sind: Es werden immer neue Arten entdeckt. So dieser Tage in Basel: Eine Forschergruppe um PD Dr. Adrian Egli, Leiter Klinische Mikrobiologie am Universitätsspital Basel, fand bei Basler Spitalpatienten ein neues Bakterium – und taufte es zu Ehren der Stadt Basel auf den Namen 'Mycobacterium basiliense'. Das Kleinstlebewesen gehört zur Gruppe der nicht-tuberkulösen Mykobakterien und kann bei Personen mit vorbestehenden Lungenkrankheiten einen Infekt auslösen, wie die Forscher berichten. „Wir haben das Erbgut des Bakteriums sequenziert und das Ergebnis mit den bestehenden Datenbanken verglichen. Dabei haben wir festgestellt, dass es sich tatsächlich um ein bisher unbekanntes Bakterium handelt“, sagt Adrian Egli. Die Entdeckung wurde jüngst in der Fachzeitschrift 'Frontiers in Microbiology' publik gemacht.

Alter bringt Erfahrung

Der Zufall wollte es, dass der Basler Mikrobiologe am selben Tag, an dem die Öffentlichkeit von der Entdeckung erfuhr, an der Universität Basel in einer neuen Vortragsserie über Bakterien referierte. „Wie alt sind Bakterien und warum ist das wichtig?“, lautete der Titel des Vortrags. Die Antwort, die Adrian Egli auf die selbst gestellte Frage gab: Bakterien existieren seit rund drei Milliarden Jahren und gehören somit zu den ersten Lebewesen auf der Erde. „Dank der langen Entwicklungszeit haben die Bakterien eine viel grössere Vielfalt entwickelt als Tiere oder Pflanzen“, sagt Egli. „Wir finden Bakterien in Unterwasservulkanen, und wir finden sie mitten im Menschen: Ein Gramm unseres Stuhls enthält mehrere Milliarden von ihnen, und die Mitochondrien, die jede der menschlichen Zellen mit Energie versorgen, sind aus Bakterien entstanden, die im Laufe der Evolution in den menschlichen Körper eingewandert sind.“

Hoffnung auf neue Antibiotika

Aus medizinischer Sicht sind Bakterien Fluch und Segen zugleich. Bakterien können zum einen beim Menschen Krankheiten auslösen. Weil sich die Mikroben über Millionen von Jahren an die Umweltbedingungen anpassen konnten, haben sie sehr ausgefeilte Mechanismen entwickelt, um sich gegen Antibiotika zu immunisieren: Dies zeigt sich heute in dem für Patientinnen und Patienten unerfreulichen Effekt, dass immer mehr Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Bakterien sind zugleich aber ein Segen, unter anderem deswegen, weil sie selber in der Lage sind, Antibiotika zu produzieren. Dies tun sie zunächst aus Eigennutz, nämlich um sich bei der Suche nach Nährstoffen einen Überlebensvorteil gegenüber ihren Artgenossen zu verschaffen. Diese antibiotischen Stoffe leisten den Menschen zugleich wertvolle Dienste bei der Abwehr von Krankheiten. „Bisher sind 50'000 Bakteriernarten bekannt, wir vermuten aber, dass es auf der Erde eine Million Arten geben könnte“, sagt Mikrobiologe Egli. „Findige Köpfe haben daher die Idee, in Bodenproben nach bisher unbekannten Bakterien zu suchen in der Hoffnung, damit neuartige Antibiotika für mediznische Anwendungen zu finden.“

Weitere Referate in der Vortragsserie 'Mikroben unter uns' (jeweils von 19.30 bis 21 Uhr im Hörsaal 102 im Kollegiengebäude der Universität Basel, Petersplatz 1):

Dienstag, 29.1.2019: Ungewolltes Souvenir aus den Tropen

Dienstag, 5.2.2019: Das Mikrobiom: Bakterien und Viren als Teil von uns

Dienstag, 12.2.2019: Wenn sich Bakterien tarnen

#Bakterien gibt es seit Milliarden von Jahren – für den Menschen sind sie Segen und Fluch zugleich. http://bit.ly/2Dr0J8g #iph
PD Dr. Adrian Egli ist Leiter Klinische Mikrobiologie am Universitätsspital Basel
PD Dr. Adrian Egli ist Leiter Klinische Mikrobiologie am Universitätsspital Basel

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