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25. Januar 2019

Sport ist kein Schlafverhinderer

Die gelegentlich geäusserte Vermutung, dass sportliche Betätigung am Abend später das Einschlafen erschwert, ist in den meisten Fällen unzutreffend. Das hat ein Forscherteam der ETH Zürich bei der Auswertung von 23 Studien zum Thema gezeigt.

Die Wissenschaftler des Instituts für Bewegungswissenschaften und Sport der ETH Zürich fanden bei ihrer Literaturstudie grundsätzlich keine Hinweise, dass abendlicher Sport den Schlaf beeinträchtigt. Im Gegenteil: Menschen erreichen nach sportlicher Betätigung sogar einen (leicht) tieferen und damit erholsameren Schlaf. Nur eine Einschränkung machen die Forscher: Wer eine Stunde vor dem Einschlafen sein intensives Training beendet, schläft möglicherweise etwas weniger schnell ein. Für einen solchen Zusammenhang spricht zumindest eine der von den ETH-Wissenschaftlern ausgewertete Studie. Soweit die Hauptergebnisse der im Fachmagazin 'Sports Medicine' veröffentlichten Untersuchung.

Verschiedene Müdigkeiten

Vor dem Hintergrund dieser neuen Analyse wird auch deutlich, dass es offenbar verschiedene Arten von Müdigkeit gibt. Die Müdigkeit nach einem intensiven Training ist offenkundig nicht deckungsgleich mit der Müdigkeit, die einem abends ins Bett bewegt. Dazu Prof. Christina Spengler, Leiterin des Labors für Human- und Sportphysiologie an der ETH Zürich und Co-Autorin der oben zitierte Studie: „Die 'natürliche' Müdigkeit am Abend ist Resultat verschiedener homöostatischer Prozesse, einerseits aufgrund der Dauer des Wachseins, andererseits aufgrund des zirkadianen Rhythmus. Die Müdigkeit nach körperlicher Aktivität resultiert aus vielen biochemischen Prozessen, die während der Muskelarbeit ablaufen. So sondern arbeitende Muskeln z.B. Cytokine ab, welche dann auch im Hirn aktiv sein könnten.“
150 Minuten pro Woche

Trotz dieser Unterschiede gilt: Wer sich regelmässig bewegt, fördert damit seine Schlafqualität und kann sogar Einschlafproblemen entgegenwirken. Dieser Zusammenhang wurde zwar nicht in der aktuellen ETH-Studie untersucht, die Evidenz ergebe sich aber aus vielen weiteren Studien, sagt Sportphysiologin Spengler. Sportmediziner empfehlen, Menschen sollten pro Woche mindestens 150 Minuten moderat trainieren. Ob die körperliche Aktivität frühmorgens, über den Tag oder erst in den Abendstunden erfolgt, das kann nach Auskunft der Zürcher Bewegungswissenschaftler jeder einzelne Mensch aufgrund seiner persönlichen Vorlieben entscheiden.

Entgegen mancher Ratschläge ist #Sport am Abend kein #Schlafkiller. http://bit.ly/2FYrjHA #iph
Prof. Christina Spengler, Leiterin des Labors für Human- und Sportphysiologie an der ETH Zürich
Prof. Christina Spengler, Leiterin des Labors für Human- und Sportphysiologie an der ETH Zürich

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