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28. Januar 2019

Der Schlaf hat verschiedene Gesichter

Entweder man hat gut geschlafen oder schlecht – damit ist für viele Menschen die wichtigste Frage beantwortet. Ein Lausanner Wissenschaftlerteam wollte es genau wissen. Es konnte zeigen, dass der Schlaf im Gehirn lokal unterschiedlich ausgeprägt ist.

Ein Forscherteam des Departements für grundlegende Neurowissenschaften der Universität Lausanne hat in einer neuen Studie die Hintergründe des Schlafs untersucht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen darin, dass Schlaf in den Regionen des menschlichen Hirns unterschiedliche Ausprägungen hat. Dazu die Erläuterung von Studienleiterin Prof. Anita Lüthi: „Der Schlaf überwältigt unseren Organismus auf verschiedensten Ebenen – vom Verhalten über das Empfinden bis zur Hirnaktivität. Seine Ausprägung im Hirn (das heisst in der Art und Häufigkeit des Auftretens elektrischer Wellen) ist dabei je nach Hirnregion sehr unterschiedlich. Wir zeigen in unserer neuen Studie, dass diese lokalen Ausprägungen bereits tief im Hirn, im Retikulariskern des Thalamus, vorgegeben werden und von dort an die Hirnrinde weitergeleitet werden. Der lokale Schlaf ist insbesondere in der für feine Sinnesempfindungen spezialisierten Hirnrinde besonders reich an Wellen. Sie begünstigen das Lernverhalten während des Schlafes.“

Schlüssel zur Schlafqualität

Die Studie der Lausanner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für die Dr. Laura Fernandez als Erstautorin verantwortlich zeichnet, wurde vor kurzem im Online-Fachjournal 'eLIFe“ veröffentlicht. Die Erkenntnisse sind der Grundlagenforschung zuzurechnen, könnten aber auch einen praktischen Nutzen für medizinische Fragestellungen entfalten, wie Anita Lüthi betont: „Es gibt viele Menschen, die von sich behaupten, sie würden schlecht oder gar nicht schlafen. Trotzdem kann bei ihnen mit herkömmlichen Hirnstrommessungen (EEG) kein Mangel an Schlafqualität festgestellt werden. Man vermutet heute, dass dies an lokalen Schlafänderungen liegen könnte, die zu einer falschen Schlafwahrnehmung führen.“

Schlafwandeln verstehen

Für die Untersuchung des Schlafs zogen die Forscherinnen und Forscher unter anderem Mäuse heran. Sie modifizierten bei ihnen das Verhalten des Thalamus und insbesondere dessen Retikulariskerns mit genetischen Verfahren. Auf dem Weg konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Schlafrhythmus lokal verändert, unterdrückt oder wiederhergestellt werden kann. Das verbesserte Wissen um den Schlaf könnte auch zu einem besseren Verständnis des Phänomens Schlafwandeln führen, betont Anita Lüthi: „Beim Schlafwandeln sind Teile des Hirns, die für die Motorik zuständig sind, unerklärlicherweise 'wach', während andere Teile 'schlafen' und den Patienten im Unbewussten lassen. Ähnlich verhält es sich wohl bei Personen, die während des Schlafes reden. Eine weit verbreitete, nicht krankhafte Erscheinungsform dieses Phänomens ist möglicherweise das Träumen“, sagt Lüthi und ergänzt: „Schlafwandeln ist also eine 'lokale' Schlafkrankheit.“ Während Aussenstehende für Schlafwandler mitunter nur ein Lächeln übrig haben, kann diese Schlafstörung für die Betroffenen wegen der hohen Unfallrate sehr nachteilig sein.

#Schlaf hat in den Gehirnregionen verschiedene Ausprägungen, wie Lausanner Forscherinnen und Forscher zeigen. http://bit.ly/2G58wui #iph
Universität Lausanne, DNF, Eric Bernardi
Universität Lausanne, DNF, Eric Bernardi Haben an der Schlafstudie der Universität Lausanne mitgearbeitet (v.l.n.r.): Prof. Dr. Anita Lüthi, Studienleiterin; Dr. Laura M.J. Fernandez, Erstautorin; Gil Vantomme, Zweitautor der Studie
 

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