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8. Februar 2019

Wiegbewegungen fördern Schlafqualität

Wird das Bett während des Schlafs leicht hin und her geschaukelt, verbessert sich die Schlafqualität und auch das Gedächtnis. Die von einem Westschweizer Forscherteam aufgezeigten Effekte regen neue Studien rund um Schlafstörungen und Alzheimer an.

Kleine Kinder werden gern in den Schlaf gewiegt. Aber auch Erwachsene gönnen sich mal ein Nickerchen in der sanft schaukelnden Hängematte. Ein Forscherteam mit Beteiligung der Universitäten Genf und Lausanne sowie dem Genfer Universitätsspital hat die Auswirkungen solcher Wiegebewegungen nun in zwei Studien untersucht, die jüngst in der Fachzeitschrift 'Current Biology' veröffentlicht wurden. Der Hauptbefund: Schaukelbewegungen während des Schlafs modulieren die Aktivität der Gehirnwellen. Als Folge davon nimmt die Schlaftiefe zu und auch das Gedächtnis, das in gewissen Schlafphasen regeneriert wird, profitiert von den rhythmischen Bewegungen.

18 Erwachsene im Schlaflabor

Eine der beiden Studien wurde am Departement für Grundlegende Neurowissenschaften der Universität Genf und am Medizinischen Schlafzentrum des Genfer Universitätsspitals durchgeführt. Prof. Sophie Schwartz und Dr. Laurence Bayer haben 18 junge Erwachsene für zwei Nächte ins Schlafzentrum gebeten, von denen sie die eine in einem ruhenden Bett verbrachten, die andere in einem Bett, das sich leicht hin und her bewegte. Dabei zeigte sich, dass die Personen in Betten, die sich bewegten, schneller einschliefen und längere Tiefschlafphasen hatten. Zudem hatten sie weniger von den kurzen Aufwachmomenten, die als Indikator für schlechte Schlafqualität gelten. Die Verbesserung ist nach Auskunft der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Folge der Gehirnwellen-Aktivierung dank der Wiegebewegung.

Schlafstörungen und Alzheimer

Eine Studie, die Prof. Paul Franken parallel an der Universität Lausanne mit Mäusen durchführte, hat die Genfer Erkenntnisse bestätigt. Die neusten Erkenntnisse aus der Schlafforschung könnten künftig unter anderem Personen mit Schlafstörungen zugute kommen, wie die Genfer Schlafforscherin Laurence Bayer sagt: „Die bisherigen Resultate ermuntern uns weiter zu untersuchen, welche Wirkungen Wiegebewegungen auf Personen mit Schlafstörungen – insbesondere Schlaflosigkeit – haben. Sollten Wiegebewegungen diesen Personen helfen, wäre das eine Alternative oder eine natürliche Ergänzung zu Schlafmitteln.“ Die Genfer Wissenschaftlerin sieht ein Anwendungsfeld auch bei älteren Personen, für die das Einschlafen, das Erreichen des Tiefschlafs und die Schlaferhaltung drei Schlüsselprobleme darstellen.

„Neue Studien weisen überdies auf eine bidirektionale Beziehung zwischen Schlaf und neurogenerativen Erkrankungen einschliesslich der Alzheimer-Erkrankung hin“, sagt Laurence Bayer. „Eine Verbesserung der Schlafqualität könnte dieser verletzlichen Personengruppe Linderung bei Schlafproblemen verschaffen und möglicherweise sogar dem Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung entgegenwirken“, vermutet die Wissenschaftlerin. Ein solcher Zusammenhang müsse aber erst noch wissenschaftlich belegt werden.

#Wiegen hilft beim Einschlafen und verbessert die #Schlafqualität, belegen Westschweizer Forscherinnen und Forscher in zwei neuen Studien. http://bit.ly/2DkEcZL #iph
Laurence Bayer, Mediz. Schlafzentrum, Genfer Universitätsspital HUG
Laurence Bayer ist Forscherin am Departement für Grundlegende Neurowissenschaften an der Medizinfakultät der Universität Genf und arbeitet im Medizinischen Schlafzentrum des Genfer Universitätsspitals HUG

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