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8. März 2019

Grippeviren in Fledermäusen

Wer an einer Grippe erkrankt, wurde meist durch einen anderen Menschen angesteckt. Vereinzelt können Influenza-Viren auch durch Tiere übertragen werden. Dies könnte auch für Influenzaviren aus Fledermäusen der Fall sein, so ein Zürcher Forscherteam.

Wer an einer Grippe erkrankt, hat ein Influenza-Virus aufgelesen. Von diesen Krankheitserregern ist bekannt, dass sie sich ständig verändern und Menschen immer wieder in neuer Gestalt befallen. Trotzdem waren Wissenschaftler bass erstaunt, als sie vor rund sechs Jahren in Südamerika bei Fledermäusen bisher unbekannte Influenzaviren entdeckten. „Wenn wir neue Influenzaviren finden, gehören diese meist zu bekannten Subtypen wie zum Beispiel dem H1N1-Virus“, sagt Prof. Silke Stertz vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Zürich. „Die damals entdeckten Fledermaus-Viren stellten aber neue Subtypen dar (H17N10 und H18N11) und ihre Sequenzen waren sehr verschieden von denen anderer Influenza-A-Viren.“ Die damalige Entdeckung habe auch deshalb erstaunt, weil zuvor niemand wusste, dass Influenzaviren überhaupt in Fledermäusen vorkommen, sagt Stertz.

Der Weg über MHC-II-Moleküle

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Silke Stertz hat in einer aktuellen Untersuchung nun herausgefunden, wie es den seinerzeit entdeckten Influenza-Viren gelingt, in Wirtszellen einzudringen und damit andere Tiere oder allenfalls auch Menschen anzustecken. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten in der im Fachmagazin 'Nature' veröffentlichten Studie nachweisen, dass die Influenza-Viren für den Eintritt in die Wirtszellen sogenannte MHC-II-Moleküle benutzen. Diese Moleküle befinden sich normalerweise an der Oberfläche gewisser Immunzellen. Auf diesem Weg können sie in die Zellen von Hühnern, Schweinen und Mäusen eindringen, aber – zumindest im Prinzip – auch in menschliche Zellen. „Im Prinzip“ deshalb, weil Infektionen von Menschen oder Nutztieren bisher nicht beobachtet wurden.

Vorerst kein Bedarf an Impfstoffen

Ob solche Infektionen lebendiger Organismen tatsächlich auftreten bzw. auftreten könnten, wollen die Forscherinnen und Forscher in weiteren Untersuchungen klären. Nach bisherigem Wissen geht von den in Fledermäusen entdeckten Influenza-Viren keine aktuelle Gefahr aus. Bislang werden diese Grippeviren somit auch nicht über die vorhandenen Impfstoffe abgedeckt, wie Silke Stertz ausführt: „Ich sehe aktuell keinen dringenden Bedarf für die Entwicklung eines solchen Impfstoffs. Zuerst muss untersucht werden, ob diese Viren Säuger – also Menschen und/oder Nutztiere – überhaupt infizieren können.“

Ein Forscherteam unter Zürcher Leitung zeigt, auf welchem Weg #Influenzaviren aus #Fledermäusen andere #Organismen anstecken könnten. http://bit.ly/2EOVjDw #iph
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