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29. März 2019

Hilfe bei der Blutbildung

Nach einer Blutstammzellen-Transplantation müssen sich die gesunden Stammzellen zügig vermehren, um neues Blut zu bilden. Ein Forscherteam aus Lausanne hat herausgefunden, dass ein Vitamin B3-Derivat die Neubildung von Blutzellen unterstützen könnte.

Leukämien und Lymphome sind zwei Formen von Blutkrebs: Bei Leukämien kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Vorläuferzellen der weissen Blutkörperchen, bei Lymphomen wuchert das Lymphgewebe beispielsweise in Lymphknoten oder im Knochenmark. Um diese schweren Krankheiten zu behandeln, ist es bisweilen nötig, die erkrankten Blutzellen des Patienten chemisch oder radiologisch abzutöten und durch gesunde Spenderzellen zu ersetzen. Diese Spenderzellen vermehren sich nach der Übertragung und verhelfen dem Patienten zu gesundem Blut. Die Vermehrung der transplantierten Zellen könnte künftig mit einem Derivat von Vitamin B3 unterstützt werden, wie ein Forscherteam von Universität Lausanne, Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) und Waadtländer Universitätsspital (CHUV) jetzt berichtet.

Nicotinamid-Ribosid

Bei dem Vitamin B3-Derivat handelt es sich um den Stoff Nicotinamid-Ribosid (NR). Die Lausanner Forscher haben mit NR kultivierte Blutstammzellen auf Mäuse transplantiert und dabei gezeigt, dass diese Zellen die Neubildung von Blut verbessern. Die Wissenschaftler vermuten aufgrund der vorliegenden Ergebnisse, dass das Vitamin B3-Derivat jenen Patienten helfen könnte, bei denen die Transplantation von Blutstammzellen bisher erfolglos bleibt, weil die transplantierten Blutstammzellen sich zu langsam vermehren. Dazu sagt Studien-Co-Autor Dr. Nicola Vannin vom Ludwig-Institut für Krebsforschung in Lausanne: „Zwar ist es bisher schon möglich, die Vermehrung von Blutstammzellen mit dem Peptidhormon G-CSF zu aktivieren. Mit NR stünde nun aber erstmals ein Nahrungsmittel zur Verfügung, das diese stimulierende Funktion übernimmt.“

Tests auf Sicherheit

Den Lausanner Forschern schwebt vor, dass betroffene Patientinnen und Patienten NR künftig als Nahrungszusatz aufnehmen könnten. Bis der Stoff im Klinikalltag eingesetzt werden kann, haben die Wissenschaftler allerdings noch wichtige Aufgaben zu erledigen, wie Nicola Vannin sagt: „Wir sind zur Zeit daran, die Sicherheit von NR im präklinischen Tumormodell zu testen. Dabei müssen wir unter anderen ausschliessen, dass NR eine aktivierende Wirkung auf die Krebszellen ausübt, die sich noch vereinzelt im Blut der Transplantationspatienten befinden.“ Der Aufwand für die weiteren Forschungsaktivitäten zielt darauf ab, den Erfolg, der mit NR bei Mäusen erzielt wurde, am Menschen zu wiederholen: Bei Mäusen konnte die Überlebensrate der 'Transplantationspatienten' um 80% erhöht werden.

Ein Derivat von #Vitamin B3 könnte nach einer #Blutstammzell-Transplantation bei der #Blutbildung helfen, sagen Forscher aus Lausanne. http://bit.ly/2U8CF4l #iph
Stammzellstimulation (Grafische Darstellung)
Fotolegende: „Grafische Darstellung aus der Lausanner Studie. Grafik: O. Naveiras/Copyright: Cell Press“
 

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