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2. Mai 2019

Woraus Brustkrebs besteht

Rund 6000 Frauen erkranken schweizweit jährlich an Brustkrebs. In einer Untersuchung haben Universität ZH und IBM Research die Zusammensetzung von Brustkrebstumoren untersucht und dabei Hinweise auf Erfolgsmöglichkeiten von Immuntherapien entdeckt.

Wenn eine Person an Krebs erkrankt, ist es üblich, das Tumorgewebe molekularbiologisch zu untersuchen, um die beste Behandlung für die Patientin oder den Patienten zu finden. Die Untersuchung von Tumorgewebe beschäftigt auch die Wissenschaft, denn zur Verbesserung von Krebsbehandlungen werden neue Therapiemöglichkeiten gesucht. So haben Johanna Wagner (Uni Zürich) und Marianna Rapsomaniki (IBM Forschungszentrum in Rüschlikon/IBM Research) kürzlich mehrere Millionen Krebs- und Immunzellen aus den Tumoren von 140 Brustkrebspatientinnen untersucht und so die zelluläre Zusammensetzung der Tumore ermittelt. Ermöglicht wurde dies durch enge Zusammenarbeit mit der Patients' Tumor Bank of Hope (PATH) Biobank in Deutschland und Spitälern in Basel und Zürich. „Die Tumoranalysen erfolgen in der klinischen Praxis mit wenigen Markern und sind daher eher oberflächlich, unsere wissenschaftlichen Untersuchungen sind da weitaus umfassender“, sagt Professor Bernd Bodenmiller vom Institut für Quantitative Biomedizin der Universität Zürich, der die Doktorarbeit von Johanna Wagner betreut. „Mithilfe der Massenzytometrie konnten wir eine Vielzahl von Tumor- und Immunzelltypen anhand von 73 Markern auf Einzelzellebene charakterisieren. Dies wurde durch uns zum ersten Mal in dieser Tiefe gemacht.“

Aggressivere Tumore weniger divers

Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung, die jüngst in der Fachzeitschrift 'Cell' erschienen ist: Aggressivere Tumore werden häufig von einer einzigen Art von Tumorzellen dominiert. Das ist insofern bemerkenswert, als man bisher eher vermutete, dass aggressivere Tumore eine erhöhte Unterschiedlichkeit (Diversität) von Krebszellen aufweisen. Wenn die Tumore eine weniger grosse Diversität haben als bisher vermutet, heisst das aber nicht, dass sie deswegen leichter zu behandeln sind, wie Professor Bodenmiller sagt: „Wir haben in der Studie gezeigt, dass die aggressiveren Tumore auch die Individuellsten sind, d.h., dass die dominante Tumorzellart von Patientin zu Patientin sehr verschieden ist. Das macht eine Behandlung eher anspruchsvoller, denn unterschiedliche Tumorzellarten könnten unterschiedlich gut auf die gleiche Therapie ansprechen. Der Befund unterstützt auch den Ansatz der Präzisionsmedizin, dass wir für jede Tumorzellart – und damit für jede Patientin – aufs Neue die passende Behandlung finden müssen.“

Immuntherapie auch möglich bei Brustkrebs?

Die beiden Wissenschaftlerinnen richteten in ihrer Studie den Blick auch auf Immunzellen (Makrophagen, T-Zellen), die sich in Brustkrebstumoren aufhalten. Immunzellen haben unter anderem die Aufgabe, schädlich veränderte Zellen zu eliminieren und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur körpereigenen Bekämpfung von Krebs. Gleichzeitig kann durch den Krebs ein Teil der Immunzellen inaktiviert werden, so dass die körpereigene Bekämpfung des Tumors gehemmt ist. Bei ihrer Untersuchung stiessen die Forscherinnen bei einer Gruppe von Brustkrebspatientinnen auf eine Anreicherung von inaktivierten Immunzellen. Bei Patientinnen und Patienten mit Lungen- oder Hautkrebs gelingt es bereits, inaktivierte Immunzellen mittels einer neuartigen Klasse von Krebsmedikamenten (Immuntherapie mittels Checkpoint-Hemmern) für die Bekämpfung des Tumors zu re-aktivieren. Auch für einen bestimmten Typ von Brustkrebs gibt es erste Behandlungserfolge mit dieser Immuntherapie. Die jüngsten Befunde deuten darauf hin, dass diese Aktivierung des Immunsystems künftig auch bei einem weiteren Typ von Brustkrebs gelingen könnte.

Aggressive #Brustkrebstumore bestehen aus weniger verschiedenartigen #Krebszellarten als bisher vermutet, haben zwei Zürcher Forscherinnen herausgefunden. http://bit.ly/2GJQHQ0 #iph
Vereinfachte Darstellung eines invasiven Krebstumors
Fotolegende: Mit dieser Illustration zeigt Johanna Wagner, Doktorandin an der Universität Zürich, eine vereinfachte Darstellung von einem invasiven Krebstumor: Der Tumor ist aus verschiedenartigen Krebszellen zusammengesetzt, dargestellt als Mosaik. Der Tumor wird von unterschiedlichen Immunzellen umgeben und infiltriert, die als Kreise dargestellt sind. Einige Immunzellen bekämpfen den Tumor, andere helfen ihm beim Wachsen. Zeichnung: Johanna Wagner/UZH
 

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