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22. Mai 2019

Wirkstoff-kombination gegen Blutkrebs

Ein Team aus Forschern des Universitätsspitals Basel ist einer neuen Behandlungsoption für eine bestimmte Form von Leukämie auf der Spur. Hilfe verspricht eine Kombination aus zwei medizinischen Wirkstoffen, die die Vermehrung der Blutzellen hemmen.

Leukämien – also bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems – treten in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Eine Form von chronischen Leukämien bildet die Gruppe der 'Myeloproliferativen Neoplasien' (MPN). Diese Blutkrebs-Erkrankungen gehen mit einer gestörten Bildung von Blutzellen im Knochenmark einher. Ein Team aus Forscherinnen und Forschern des Universitätsspitals Basel (USB) und des Departements Biomedizin (eine Gemeinschaftseinrichtung von USB, Universität Basel und Kinderspital Basel) haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, welche in Zukunft eine bessere Behandlung von fortgeschrittenen MPN ermöglichen könnten. Über die Resultate berichteten die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift 'Journal of Clinical Investigation'.

Signalwege JAK2 und MAPK

Als Standardtherapie von fortgeschrittenen MPN steht heute Ruxolitinib zur Verfügung. Dieser Wirkstoff aus der Klasse der Tyrosinkinase-Hemmer wurde in der Schweiz 2012 zugelassen. Er hemmt in den Knochenmark-Zellen einen bestimmten Signalweg (JAK2) und vermindert damit die für die Krankheit charakteristische Überproduktion von Blutzellen. Leider wirkt diese Therapie nur eingeschränkt. Der Grund: Es gibt in den Knochenmark-Zellen einem zweiten Signalweg (MAPK), der wie JAK2 die Produktion von Blutzellen fördert, trotz Anwendung der Standardtherapie. Die Basler Forscherinnen und Forscher konnten in ihrer Studie nun zeigen, dass fortgeschrittene MPN wirksamer behandelt werden können, wenn man auch diesen zweiten Signalweg hemmt. Dafür nutzten sie den Wirkstoff Binimetinib, der im Herbst 2018 die EU-Zulassung zur Behandlung von Melanomen (Schwarzer Hautkrebs) bekommen hat.

Pilotstudie zur Kombinationstherapie

Die Kombinationstherapie mit den beiden Wirkstoffen hat in der Kulturschale und bei der Anwendung bei Versuchstieren gute Ergebnisse gezeigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten auch nachweisen, dass der neue Therapieansatz die mit der Krankheit einhergehende Verfaserung des blutbildenden Knochenmarks (Knochenmarkfibrose) reduziert. In der Schweiz ist nun eine klinische Pilotstudie geplant, mit der die neue Kombinationstherapie auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Menschen geprüft werden soll. Diese geplante Studie unterstreiche das translationale Potenzial aus der Forschung in die Klinik ('from bench to bedside') der hämatologischen Forschung in Basel, heisst es einer Medienmitteilung des Universitätsspitals Basel. „Wenn diese und weitere klinische Tests erfolgreich verlaufen, könnten Patientinnen und Patienten mit MPN in der Zukunft hoffentlich von der neuen Medikamentenkombination profitieren“, sagt PD Dr. Sara Meyer, Oberärztin in der Abteilung für Hämatologie des USB und Leiterin der Forschungsgruppe 'Myeloid Malignancies', in der die oben dargestellte Studie entstanden ist.

Ein Basler Forscherteam findet eine Kombination von zwei Inhibitoren, mit der sich ein Typ von #Leukämie wirksamer behandeln lässt. http://bit.ly/2HIPcSW #iph
PD Dr. Sara Meyer, Oberärztin, Abteilung für Hämatologie, USB und Leiterin Forschungsgruppe 'Myeloid Malignancies'
PD Dr. Sara Meyer, Oberärztin in der Abteilung für Hämatologie des USB und Leiterin der Forschungsgruppe 'Myeloid Malignancies'

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