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27. Mai 2019

Verbot von Tierversuchen wird abgelehnt

Die im Dezember eingereichte parlamentarische Initiative 18.491 fordert ein Verbot von schwerbelastenden Tierversuchen. Die Schweiz verfügt jedoch bereits heute über eine der strengsten Tierschutz-Gesetzgebungen, die immer eine Güterabwägung bedarf.

Tierversuche sind nach wie vor unerlässlich und in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben, um sichere Arzneimittel und neue Therapien gegen schwere und noch unheilbare Krankheiten wie AIDS, Krebs oder psychische Erkrankungen zu entwickeln. Besonders im Bereich hochkomplexer Krankheiten des Nervensystems (Parkinson) oder der körpereigenen Abwehr (Immunologie, Autoimmunkrankheiten wie beispielsweise Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose) ist es unverzichtbar, dass Vorgänge sowohl am gesunden, wie am kranken Gesamtorganismus untersucht werden können. Insbesondere bei der Wirksamkeitsprüfung von lebensbedrohlichen und schweren Krankheiten wie z.B. Multiple Sklerose, benötigt man Tierversuchsmodelle im Schweregrad 3. Dank solchen Versuchen bei Mäusen und Ratten können MS Betroffene in jüngster Zeit von verschiedenen neuen Therapien profitieren.

Tierschutz in der Pharmaindustrie

In den letzten Jahren hat die Industrie mit erheblichem Aufwand und nachhaltigem Erfolg an der kontinuierlichen Reduktion der Anzahl und der Schweregrade von Tierversuchen gearbeitet. Die forschende Pharmaindustrie in der Schweiz ist sich ihrer Verantwortung im Umgang mit Tierversuchen bewusst und fördert seit Jahren die Forschung nach dem Prinzip der 3R (Replace, Reduce, Refine). Damit sollen Tierversuche – wo immer möglich - durch Alternativmethoden ersetzt, die Zahl der Versuche reduziert, die Aussagekraft der Versuche verbessert und die Belastung für die Tiere verringert werden.

Seit 1983 verringerte sich die Gesamtzahl der eingesetzten Tiere von nahezu zwei Millionen auf rund 615'000 Tiere im Jahr 2017. Über zwei Drittel aller Tierversuche wurden 2017 dem Schweregrad 0 und 1 zugeteilt. Nur rund 3% aller Tierversuche wurden dem Schweregrad 3 zugeteilt. Über 95% der Tiere in diesen schwerbelastenden Versuchen waren Mäuse und Ratten.

Sorgfältige Güterabwägung

Die Schweiz verfügt über eine der weltweit strengsten und umfangreichsten Tierschutz-Gesetzgebungen, die immer eine Güterabwägung erfordert. Es gilt abzuwägen, ob der erwartete Nutzen für die Gesellschaft grösser ist als das Leiden und die Verletzung der Würde der Tiere. Dabei sind Tierversuche per Gesetz auf das unerlässliche Mass zu beschränken, es besteht eine generelle Bewilligungspflicht und die Anforderungen an die Durchführung der Versuche und die Haltung der Tiere sind sehr hoch.
In der Schweizer Forschungspolitik hat sich der Grundsatz «Kontrolle statt Verbote» bisher bewährt und ist in breiten Bevölkerungskreisen akzeptiert. Dies zeigt die deutliche Ablehnung aller Volksinitiativen in den 80er und 90er Jahren, welche Tierversuche ganz oder teilweise verbieten wollten. Ein Verbot oder Teilverbot von Tierversuchen in der Schweiz wäre kontraproduktiv. Da Tierversuche weiterhin notwendig sind, würden sie in andere Länder mit tieferem Tierschutz verlagert werden – zum Schaden der Tiere, der biomedizinischen Forschung und dem Standort Schweiz.

Parlamentarische Initiative 18.491 abgelehnt

Am vergangenen Freitag hat die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK-N) die parlamentarische Initiative «Verbot von schwerbelastenden Tierversuchen» 18.491 mit 17 zu 8 Stimmen abgelehnt.  Die Mehrheit ist der Überzeugung, dass Tierversuche für die Entwicklung innovativer Therapien unerlässlich sind und dass es in spezifischen Fällen auch weiterhin Experimente mit Schweregrad 3 bedürfe. Die parlamentarische Initiative 18.491 wird voraussichtlich im Herbst im Nationalrat behandelt.

Die forschende #Pharmaindustrie ist darauf angewiesen, in sehr beschränktem Umfang #Tierversuche im Schweregrad 3 durchzuführen, um neue und sichere #Medikamente zu entwickeln. http://bit.ly/2EzlkYo #iph
Tierversuchsstatistik - Versuche mit Schweregrad 3 machten weniger als 3% der Versuche im Jahr 2017 aus.
Tierversuchsstatistik - Versuche mit Schweregrad 3 machten weniger als 3% der Versuche im Jahr 2017 aus.

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