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3. Juni 2019

Zellplattform unterstützt personalisierte Krebstherapie

Wissenschaftler der Universität Genf haben eine Plattform entwickelt, mit der sich Krebszellen in dreidimensionalen Kulturen vermehren lassen. Die Plattform unterstützt Onkologen bei der Wahl einer individuell zugeschnittenen Krebstherapie.

In der heutigen Krebstherapie ist es üblich, vor einer Behandlung die Tumorzellen der Patientin bzw. des Patienten zu untersuchen. Auf diesem Weg können Ärztinnen und Ärzte bestimmen, welche Therapie bzw. welche Medikamente bei einer Person am meisten Erfolg versprechen. Um die Tumorzellen zu untersuchen, werden sie heute in der Regel auf (zweidimensionalen) Kulturschalen vermehrt. Ein Forscherteam der Universität Genf ging nun in einem neuen Projekt einen Schritt weiter und nutzte für die Vermehrung eine dreidimensionale Zellkultur. Darüber berichteten die Wissenschaftler, die im Projekt mit Kollegen der Universitätsspitäler in Genf (HUG) und in Lausanne (CHUV) zusammenarbeiteten, kürzlich in der Fachzeitschrift ‹Scientific Reports›.

Näher an der Wirklichkeit

«In einem 3D-Modell ist die Wechselwirkung zwischen den Zellen vollständiger und damit wirklichkeitsnäher umgesetzt als in 2D», sagt Dr. Patrycja Nowak-Sliwinska, Assistenzprofessorin an der ‹School of Pharmaceutical Sciences› der Universitäten Genf und Lausanne. «Darüber hinaus enthält unser Modell nicht ausschliesslich Krebszellen, sondern auch sogenannte Stroma- und Endothelzellen. Das macht es möglich, dass die drei verschiedenen Zellarten interagieren und sich die Wirkung einer medikamentösen Behandlung differenzierter voraussagen lässt als mit einem 2D-Modell.» Die Plattform macht es möglich, die Effekte von verschiedenen Wirkstoffkombinationen auf die Zellen des Patienten zu untersuchen. Zudem erlaubt sie, die Wirkung der Medikamente in verschiedenen Entwicklungsstadien der Krebszellen zu analysieren.

Empfehlung in fünf Tagen

Nach Auskunft der Forscher lässt sich auf dem Weg innerhalb von fünf Tagen die beste Wirkstoffkombination zur Behandlung eines bestimmten Patienten ermitteln. Die Methode wurde bisher für die Untersuchung von Darmkrebs mit drei verschiedenen Wirkstoffen eingesetzt, lässt sich nach Auskunft der Wissenschaftler aber auch für andere Krebsarten und weitere Wirkstoffe nutzen. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher sind überzeugt, dass die neue Plattform den Weg hin zu einer noch gezielter personalisierten Krebstherapie ebnet. Dazu die Einschätzung von Patrycja Nowak-Sliwinska: «Wir hoffen, dass wir mit dieser Plattform und unseren Methoden, die eine optimale Kombination von Wirkstoffen erlauben, optimale Behandlungsoptionen für den jeweiligen Patienten finden und damit den Behandlungsentscheid von Ärztinnern und Ärzten massgeblich unterstützen.»

Eine dreidimensionale #Zellkultur hilft bei der Auswahl der optimalen Therapie für Krebspatientinnen und -patienten. #Krebstherapie http://bit.ly/2HQy7ro #iph
Dr. Patrycja Nowak-Sliwinska, Assistenzprofessorin an der ‹School of Pharmaceutical Sciences› der Universitäten Genf und Lausanne
Assistenzprofessorin Dr. Patrycja Nowak-Sliwinska leitet die Gruppe für Molekulare Pharmakologie an der ‹School of Pharmaceutical Sciences› der Universitäten Genf und Lausanne.

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