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7. Juni 2019

Allergien – verbunden mit Angst und Depression

Gewisse Allergien treten gehäuft mit psychosozialen Erkrankungen wie Angst und Depressionen auf. Das zeigt ein Forscherteam des Universitären Zentrums für Gesundheitswissenschaften am Universitätsklinikum Augsburg (UNIKA-T) in einer aktuellen Studie.

Allergien treten in sehr verschiedenen Ausprägungen auf: In der aktuellen Jahreszeit leiden viele Personen an einer saisonalen Allergie gegen Gräser oder Baumpollen. Bei anderen Menschen wiederum sind Allergien das ganze Jahr präsent, etwa wenn sie mit Hausstaub, Tierhaaren, bestimmten Nahrungsmitteln oder Medikamenten in Berührung kommen. Claudia Traidl-Hoffmann ist Direktorin für Umweltmedizin am UNIKA-T, wo ein interdisziplinäres Forschungsteam in einer neuen Studie 1700 Personen aus dem Raum Augsburg nach ihren Allergien befragt hat – und dabei auch Auskünfte über allfällige psychosoziale Erkrankungen einholte. Bei der Auswertung der Umfrage stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissernschaftler fest, dass Personen mit saisonalen Allergien (Gräser, Pollen) häufiger an einer «generalisierten Angststörung» leiden als Personen ohne Allergien.

Allergie ist nicht gleich Allergie

Was unter einer «generalisierten Angststörung» zu verstehen ist, erläutert Katharina Harter, Doktorandin der Umweltmedizin am UNIKA-T und Erstautorin der erwähnten Studie: «Bei dieser Form der Angst leiden die Betroffenen unter körperlichen Angst-Symptomen, beispielsweise Zittern, Herzrasen, Schwindel, Übelkeit, Verspannungen, Schlafstörungen oder Nervosität. Im Gegensatz zu anderen Formen der Angst – wie Höhenangst oder Spinnenphobie – wissen die Betroffenen bei der generalisierten Form häufig nicht, wovor sie eigentlich Angst haben. Sie sind ausserdem in einem ständigen Zustand der Besorgnis, etwa darüber, dass ihnen oder ihrer Familie etwas passieren könnte.“

Einen Zusammenhang zwischen Allergie und psychischen Störungen fanden die Forscher auch bei Depressionen. Diese traten gehäuft bei Personen mit ganzjährigen Allergien (Hausstaub, Tierhaare) auf. Bei Menschen, die gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente allergisch reagieren, stellte diese Studie keinen Zusammenhang mit psychosozialen Erkrankungen fest. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher verweisen darauf, dass die bisherigen Erkenntnisse vorläufig sind und insbesondere die Ursachen für die beobachteten Zusammenhänge einer weiteren wissenschaftlichen Klärung bedürfen.

Ganzheitliche Therapie

Allergien sind komplexe Erkrankungen, sie bedürften bei der Behandlung eines ganzheitlichen Ansatzes, sagt Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann, welche für das jüngste Forschungsprojekt verantwortlich zeichnet: „Wir müssen personalisierte, auf den Patienten angepasste medizinische Interventionen entwickeln. Mit dem Verschreiben von Antihistaminen oder Cortison ist es nicht getan; was Patientinnen und Patienten benötigen, ist ein durch Experten angeleitetes, strukturiertes und ganzheitliches Allergie-Management. Die Erforschung der Zusammenhänge zwischen psychosozialen Faktoren und Allergien trägt dazu bei, das Bewusstsein für solche ganzheitlichen Therapien zu schärfen. Ergebnisse zu psychosozialen Faktoren könnten beispielsweise die Medikamentengabe deutlich verbessern, etwa durch das Anpassen an den akuten psychosozialen Zustand, den der Patient ggf. selbst (über eine App) ermitteln kann. Auch lassen sich darüber Nebenwirkungsprofile erstellen, womit die Medikation individuell besser bestimmt werden kann und somit ihre Wirksamkeit steigt.“

Gewisse #Allergien gehen gehäuft mit #Angst oder #Depressionen einher, legt eine neue Studie aus Augsburg nahe. http://bit.ly/2I0syXt #iph
Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann, UNIKA-T
Die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann.Doktorandin der Umweltmedizin am UNIKA-T und Erstautorin der erwähnten Studie

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