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13. Juni 2019

Machen übersättigte Bakterien krank?

Darmbakterien zersetzen die Nahrung und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Nährstoffversorgung des Organismus. Ein Forscherteam aus dem norddeutschen Kiel prüft nun die Vermutung, ein Nahrungsüberangebot könnte Entzündungskrankheiten hervorrufen.

Chronische Entzündungskrankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa haben seit Mitte des letzten Jahrhunderts in den Industrienationen stark genommen. Eine wichtige Rolle für diese Krankheiten spielt eine Störung des menschlichen Mikrobioms, und dazu gehört insbesondere die Darmflora, die für die Nahrungsaufnahme von zentraler Bedeutung ist. Was der erwähnten Störung ursächlich zugrunde liegt, gibt der Wissenschaft allerdings noch Rätsel auf. Ein Forscherteam des Zoologischen Instituts der Universität Kiel hat nun einen neuen Erklärungsansatz entwickelt: Ursache der Störung könnte ein besonders umfangreiches Nährstoffangebot für die (Darm-) Bakterien sein. Diese Überlegung haben die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift mBio vorgestellt.

Überfütterung macht krank

„Wir haben unsere Hypothese basierend auf den Erkenntnissen verschiedenster Veröffentlichungen entwickelt. Diese zeigen, dass beispielsweise kurzes Fasten zu einer messbaren Absenkung des CRP-Wertes (ein Biomarker für Entzündungen) führt“, sagt Dr. Tim Lachnit, Erstautor der Studie. Das Forscherteam um Prof. Thomas Bosch hat unterdessen selber empirische Hinweise gefunden, welche die Hypothese stützen: „An dem Süsswasserpolypen Hydra, der uns als Modellorganismus dient, konnten wir durch die Überfütterung der mit ihm assoziierten Bakterien eine Krankheit auslösen, die verschiedenste Merkmale einer Entzündungskrankheit aufweist“, sagt Lachnit.

Ergebnisse wohl auf den Menschen übertragbar

Wenn sich die Überlegungen der Kieler Forscher in den weiteren wissenschaftlichen Arbeiten bestätigen, würde das bedeuten, dass „überfütterte“ Darmbakterien für die Entstehung von Krankheiten verantwortlich wären. Zwar fokussieren sich die Wissenschaftler auf die Untersuchung von Süsswassertieren, sie gehen aber davon aus, dass die Erkenntnisse für Menschen gleichermassen von Bedeutung sein könnten, wie Tim Lachnit ausführt: „Wenn die Hypothese sich erhärten lässt, bietet sie die Grundlage zur Prävention chronischer Entzündungskrankheiten. Ob wir auch bei der Behandlung dieser Krankheiten eine Verbesserung erzielen könnten, würde vermutlich vom Zustand des Darms abhängen. Denn stark vernarbte Bereiche bieten kein gesundes Habitat mehr für die natürliche bakterielle Besiedlung, was therapeutische Erfolge behindern könnte.“

Ein deutsches Forscherteam ist den Ursachen von chronisch-entzündlichen #Darmerkrankungen auf der Spur. http://bit.ly/2R9c6Hc #iph
Süsswasserpolypen Hydra
Das Beispiel des Süsswasserpolypen Hydra zeigt, dass eine Überfütterung des Mikrobioms möglichweise zur Krankheitsentstehung beiträgt.

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