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29. Juli 2019

App soll bei OP-Vorbereitung helfen

Viele Apps sind Unterhaltung, andere liefern den Nutzern Informationen. Auf eine medizinische Anwendung zielt eine App, die von Ärzten und Forschern aus Freiburg entwickelt wird: Sie soll beim Umgang mit Blut-Gerinnungshemmern vor Operationen helfen.

Für viele Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall sind Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, überlebenswichtig. Rund 65 Millionen Menschen in Europa nehmen Gerinnungshemmer ein. Wenn sich diese Personen allerdings einer Operation unterziehen müssen, kann die verminderte Blutgerinnung zu einem beträchtlichen Risiko werden. Früher mussten die Medikamente daher vor einer Operation in der Regel konsequent abgesetzt werden. Bei modernen Gerinnungshemmern ist das nicht mehr in jedem Fall nötig, und bisweilen können die Medikamente bis kurz vor dem chirurgischen Eingriff eingenommen werden. Dies zeigt: Der Umgang mit Gerinnungshemmern ist heute eine anspruchsvolle Aufgabe.

Evidenzbasierte Informationen

Damit Ärzte und Patienten diese Aufgabe bestmöglich meistern, soll künftig eine App helfen. Entwickelt wird sie von Medizinern der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg, dies gemeinsam mit Forschern der Klinik für Kardiologie der Medizinischen Universität Warschau und Industriepartnern aus den Bereichen Computer-Design und IT. Die App soll Mediziner bei einer optimalen Therapieentscheidung unterstützen. Aktuell würden Gerinnungshemmer nämlich oft zu früh abgesetzt und bisweilen durch ungeeignete Präparate ersetzt, sagt der wissenschaftliche Projektleiter Prof. Dr. Dr. Arkadiusz Miernik, Geschäftsführender Oberarzt und Urologe am Universitätsklinikum Freiburg. Ziel sei es daher, den Ärzten konkrete, evidenzbasierte Informationen zu den geläufigen Standards und eine Behandlungsempfehlung zu geben. Als wichtige Schritte bei der Umsetzung der neuen App nennt Prof. Miernik «die Erschliessung einer evidenzbasierten Datengrundlage für das klinische Problem der gerinnungshemmenden Medikamente, die Einbindung von unterschiedlichen Akteuren der Versorgungskette des Patienten sowie eine benutzerfreundliche und verständliche Ausgestaltung des User-Interfaces».

Hoher Qualitätsstandard

«Apps finden immer mehr Verbreitung, und langsam werden bestimmte Apps zu wichtigen Informationsquellen auch für Ärzte», sagt Miernik. Wichtig sei ein hoher Qualitätsstandard für die medizinischen Online-Hilfsmittel. Das gilt gleichermassen für jenen Teil der App, der für Patientinnen und Patienten gedacht ist und diesen aktuelle Informationen rund um das Thema medikamentöse Gerinnungshemmung und Operation vermitteln soll, eventuell auch in Form eines Videos. «Gute Apps müssen durch Experten validiert werden. Damit wissen die Patienten, dass sie geprüfte und ehrliche Auskünfte erhalten», betont Prof. Miernik.

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Prof. Dr. Dr. med. univ. Arkadiusz Miernik, Geschäftsführender Oberarzt für Urologie, Universitätsklinikum Freiburg
Prof. Dr. Dr. med. univ. Arkadiusz Miernik ist Geschäftsführender Oberarzt und leitet die Sektion Urotechnologie in der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg.

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