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5. August 2019

Was der Heilung von AIDS entgegensteht

Menschen, die sich mit dem HI-Virus angesteckt haben, können heute wirksam behandelt werden. Eine Heilung der AIDS-Erkrankung ist bisher indes nicht möglich. Ein Zürcher Forscherteam hat neue Hinweise gefunden, warum das so ist.

HIV-infizierte Menschen profitieren seit längerer Zeit von einer antiretroviralen Therapie (ART). Diese hemmt die Vermehrung der HI-Viren im Körper und ermöglicht den Betroffenen ein Leben, das durch die Krankheit kaum mehr eingeschränkt wird. Trotz dieses grossen medizinischen Erfolgs sind die Personen nicht geheilt. Ein Grund dafür ist offenbar, dass latent mit HI-Viren infizierte Zellen in speziellen Reservoirs jahrelang überdauern und sich der Wirkung der Medikamente entziehen können, wie AIDS-Experte Prof. Dr. Huldrych Günthard (Universitätsspital Zürich) erläutert: «Diese Reservoirs befinden sich hauptsächlich in einem bestimmten Typ von Immunzellen (CH4-positive T-Gedächtniszellen), aber auch in weiteren Zellen. Betroffen sind vor allem das lymphatische Gewebe, das Blut und das Gehirn.»

Exzellente Datengrundlage

Diese Reservoirs gelten als wichtiger Anknüpfungspunkt, um HI-Viren künftig noch wirksamer bekämpfen und – so das Fernziel – AIDS heilen zu können. Ein nationales Forscherteam, das Prof. Günthard zusammen mit Prof. Roger Kouyos und Prof. Karin Metzner geleitet hat, untersuchte nun für einen längeren Zeitraum, wie sich diese Reservoirs verhalten bzw. verändern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten Daten von gut 1000 Personen auswerten, die über Jahre mit ART behandelt wurden (und noch werden). Die Daten stammen aus der seit 1988 laufenden Swiss HIV Cohort Study (SHCS). Für jede Person hielt die Biobank mindestens drei Blutproben zur Messung der HIV-Reservoirs parat. Die Blutproben waren im Mittel 1.5, 3.5 und 5.4 Jahre nach Beginn einer ART entnommen worden. Von 412 Personen lagen Daten vor, die erlaubten, den Verlauf der HIV-Reservoirs bis auf zehn Jahre zurückzuverfolgen.

Die Rolle der viralen Blips

Der Hauptbefund der Untersuchung: Die Grösse der Reservoirs mit latent infizierten Zellen nahm im Zuge der ART zwar bei der Mehrzahl der untersuchten Personen ab; bei rund jeder vierten Person vergröserten sich die Reservoirs aber im Laufe der Zeit. Die Gründe für diesen überraschenden Befund sollen nun in weiteren Studien geklärt werden. Die Untersuchung, die jüngst in der Fachzeitschrift ‹Nature Communications› veröffentlicht wurde, zeigt zudem, dass eine bestimmte Art von Viren – sogenannte Blips – offenbar eine Rolle für die Entwicklung der Reservoirs spielen und somit für die Behandlung von AIDS bedeutsam sein könnten. Dazu die Einschätzung von Prof. Günthard: «Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die ART gerade bei Patienten mit Blips die HI-Viren nicht vollständig bekämpft. Wenn wir die Funktion der Blips genau verstehen, können wir vielleicht einen geeigneten Wirkstoff für die wirksame Therapie von HIV-Infektionen entwickeln.»

Ein #Schweizer Forscherteam hat #spezielle Reservoirs untersucht, welche das #Überleben von HI-Viren im Körper begünstigen. http://bit.ly/2yDfL7E #iph
Illustration Reservoir /HI-Viren
Illustration aus dem wissenschaftlichen Aufsatz, den ein Forscherteam unter der Co-Leitung von Prof. Dr. Huldrych Günthard (Universitätsspital Zürich) kürzlich in der Fachzeitschrift ‹Nature Communications› veröffentlicht hat.    

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