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28. August 2019

Hilfe für die Wundheilung

Wie heilen Wunden zügig und ohne hässliche Narben zu hinterlassen? Ein Forscherteam der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in St. Gallen hat dafür eine Art Schaumstoff entwickelt, der mit dem Wirkstoff Curcumin versetzt ist.

An kaum einem Ort werden die Selbstheilungskräfte des Körpers so anschaulich wie bei der Heilung von Wunden. So verschwinden die meisten Wunden praktisch ohne Zutun der betroffenen Menschen. Bei älteren Personen und Diabetikern, aber auch bei anderen Menschen heilen Wunden aber mitunter nur schlecht, oder sie führen nach der Heilung zu unansehnlichen Narben. Hier setzt das Projekt ‹Scaravoid› des ‹Biointerfaces›-Labors der Empa an: Die Wissenschaftler haben einen Schaumstoff entwickelt, der in der Hautwunde platziert wird und den natürlichen Heilungsprozess unterstützt. Über die neue Methode hat die Empa unlängst in einer Medienmitteilung informiert.

Biologisch abbaubar

Als Grundlage für den erwähnten Schaumstoff dient den Empa-Forschern ein biologisches Polymergerüst, das für andere medizinische Anwendungen bereits zugelassen ist. Dieses Gerüst wird in einem Hochdruckreaktor so aufgeschäumt, dass das Material eine geeignete Porengrösse aufweist. Wird dieses schaumstoffartige Netz nun in die Wunde gelegt, unterstützt es die einwandernden Zellen bei der Bildung neuer Haut und damit bei der Schliessung der Wunde. Gleichzeitig wird der Schaumstoff im Gewebe abgebaut.

Die Wissenschaftler haben das Polymergerüst mit dem Wirkstoff Curcumin versetzt, der bisher üblicherweise als Lebensmittelfarbstoff und als Aroma verwendet wird. Der Stoff aus der Kurkuma-Wurzel ist für die neue medizinische Anwendung geeignet, da er entzündungshemmend ist und der Bildung von Narben entgegenwirkt. «Alternativ wären auch synthetische Wirkstoffe denkbar», sagt Empa-Forscher und Projektleiter Dr. Markus Rottmar, «hier müsste aber gegebenenfalls auf eine Wirkstoffkombination gesetzt werden oder durch entsprechendes Drug-Design ein neues Molekül mit der gewünschten Wirkung hergestellt werden, da Curcumin vielfältig wirkt bzw. verschiedene Signalwege beeinflusst.»

Upscaling erforderlich

Bisher ist der Schaumstoff zur Unterstützung der Wundheilung im Labor im kleinen Massstab erfolgreich getestet worden. Vor der klinischen Anwendung bei Menschen müssen die Polymergerüste zunächst aber noch in präklinischen Studien ausführlich getestet und auch im grösseren Massstab hergestellt werden. Wenn dies gelingt, hätten Ärzte ein neues Mittel zur Unterstützung der Wundheilung in der Hand. «Geeignet ist dieses insbesondere für komplexe Wunden, bei denen ‹viel› neues Gewebe aufgebaut werden muss, oder bei zu erwartender exzessiver Narbenbildung, wie zum Beispiel bei Brandwunden», sagt Markus Rottmar.

#Empa-Forscher haben eine Art #Schaum entwickelt, der in Zukunft bei der #Heilung #komplexer Wunden helfen könnte. http://bit.ly/2zwcVSl #iph
Schaumstoff
Der von Empa-Forschern entwickelte Schaumstoff kann in eine Hautwunde gebettet werden und dort den natürlichen Heilungsprozess unterstützen.

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