Themen

18. September 2019

Schweregrad 3 - Versuche weiterhin notwendig

Die forschende Pharmaindustrie ist darauf angewiesen, in sehr beschränktem Umfang Tierversuche mit Schweregrad 3 durchzuführen, um neue und wirksame Medikamente gegen schwere und lebensbedrohliche Krankheiten zu entwickeln.

Tierversuche sind nach wie vor unerlässlich und in vielen Fällen vorgeschrieben, um sichere Arzneimittel und neue Therapien gegen schwere und noch unheilbare Krankheiten wie AIDS, Krebs oder psychische Erkrankungen für Patientinnen und Patienten zu entwickeln. Besonders im Bereich hochkomplexer Krankheiten des Nervensystems (Parkinson) oder der körpereigenen Abwehr (Immunologie, Autoimmunkrankheiten wie beispielsweise Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Transplantation) ist es unverzichtbar, dass Vorgänge sowohl am gesunden, wie am kranken Gesamtorganismus untersucht werden können.

Wirksamkeitsprüfung am Beispiel von Multiple Sklerose

Um die Wirksamkeit von neuartigen Substanzen für lebensbedrohliche und schwere Krankheiten wie z.B. Multiple Sklerose (MS) zu testen, benötigt man Tierversuchsmodelle im Schweregrad 3. MS ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die schwere Beeinträchtigungen und hohen Leidensdruck der betroffenen Personen hervorruft. Da diese Beeinträchtigung auch bei den Tieren auftritt, sind diese Modelle dem Schweregrad 3 zuzuordnen. Dank solchen Versuchen bei Mäusen und Ratten können MS Betroffene von verschiedenen neuen Therapien profitieren. Auch neue Medikamente im Bereich der Rheumatoide Arthritis hätten ohne Versuche mit Schweregrad 3 nicht entwickelt werden können.

Neben der Wirksamkeitsprüfung von neuartigen Substanzen werden Tiere auch für die gesetzlich vorgeschriebenen Toxizitätstests verwendet. Diese testen eine mögliche Unverträglichkeit von Medikamenten und werden ebenfalls teilweise dem Schweregrad 3 zugeordnet. Im Gegensatz zu den Wirksamkeitstests, bei denen vor allem Nager verwendet werden, müssen die toxikologischen Tests immer an zwei unterschiedlichen Tierspezies – einem Nager (Maus, Ratte) und einem Nicht-Nager (Hund, Primat) – durchgeführt werden.

Sorgfältige Güterabwägung

Die Schweiz verfügt über eine der weltweit strengsten und umfangreichsten Tierschutz-Gesetzgebung, die immer eine Güterabwägung erfordert. Es gilt abzuwägen, ob der erwartete Nutzen für die Gesellschaft grösser als das Leiden und die Verletzung der Würde der Tiere ist. Zudem muss mit sogenannten Abbruchkriterien definiert werden, bei welchem Belastungsgrad oder Resultaten ein Tierversuch abgebrochen werden muss. Dabei sind Tierversuche per Gesetz auf das unerlässliche Mass zu beschränken, es besteht eine generelle Bewilligungspflicht und die Anforderungen an die Durchführung der Versuche und die Haltung der Tiere sind sehr hoch.

#Tierversuche mit #Schweregrad 3 werden auf ein Minimum reduziert, dennoch sind sie für die Entwicklung neuer #Medikamente unerlässlich. http://bit.ly/30rH6Fw #iph
Tierversuche nach 3R
Tierversuche nach 3R

Weitere Themen